Bühl fällt aus – und wück schickt trotzdem k.o.-signal

Klara Bühl raus, WM-Ticket trotzdem drin. Bundestrainer Christian Wück verliert seine Top-Flügelflitzerin aus München einen Tag vor dem Quali-Auftakt gegen Slowenien, aber er will die Truppe nicht umbauen.

Die verletzung kam per finten-zwilling

Bühl zog sich am Sonntag beim Abschlusstraining in Frankfurt eine Muskelverletzung zu – keine Einzelaktion, kein Zusammenprall, einfach ein unrühmlicher Sprint, der in der 75. Minute des letzten Blocks steckenblieb. „Es tut natürlich sehr weh“, sagte Wück. Er sprach schnell, als wolle er die Lücke selbst zukleben, die Bühl hinterlässt. 45 Minuten später war klar: Es geht ohne sie, auch ohne Hoffenheims Selina Cerci, die sich den Syndesmose-Bandapparat verdreht hat.

Der 52-Jährige will das System nicht verschieben, nur die Besetzung. „Wir behalten die Automatismen, rotieren intern“, sagt er. Wer auf links startet, behält er für sich – Name steht auf seiner vergilbten Notiz, nicht auf dem Aufschlag. Man ahnt: Jule Brand wird nach innen rücken, Laura Freigang aufrücken, Lea Schüller zentral halten. Das 4-3-3 bleibt, nur die Dribblings wechseln die Adresse.

Gwinn spielt, würgegriff bleibt

Gwinn spielt, würgegriff bleibt

Giulia Gwinn trainierte gestern nur 60 Minuten, ging danach mit Eisgurt um den Oberschenkel in die Kabine. Dennoch: „Sie ist dabei“, sagt Wück mit Nachdruck. Die Kapitänin soll nicht nur die Abwehr führen, sondern auch die halbrechten Überzahlsituationen initiieren. Ohne Bühl wird Gwinn zur zusätzlichen Antriebsmaschine.

Sjoeke Nüsken warnt vor Geduldsspiel. „Slowenien stellt die Raute zu, zieht die Räume eng“, sagt die Chelsea-Box-to-Box. „Wir müssen Lücken erzwingen, nicht erbeteln.“ Das Durchschnittsalter der Startelf dürfte bei 24,3 Jahren liegen – genug Frische, um Tempo gegen Tiefe zu tauschen. Faktor Dresden: 17.45 Uhr, 25 000 Zuschauer, ein verkauftes Haus. „Wir wollen den Gruppen-Favoriten in der ersten Halbzeit erklären“, so Nüsken.

Die rechnung: neun spiele, platz eins

Die rechnung: neun spiele, platz eins

Gruppe A4 ist ein Dreikampf mit Norwegen und Österreich, aber der Plan heißt: Direktqualifikation ohne Play-off-Stolperer. „Wir können uns keinen Ausrutscher leisten, sonst wird es 2027 eng in Brasilien“, sagt Wück. Die Statistik hilft: Deutschland gewann die letzten fünf Pflichtspiele gegen Slowenien ohne Gegentor, erzielte 21 Tore. Dennoch: Die letzte Niederlage liegt 28 Jahre zurück, genug Zeit für ein Warnschuss.

Am Abend steht Bühl auf der Tribüne, Bein hochgelagert, Handy in der Hand. Sie wird live mitschauen, wie ihre Vertretung ihre Rolle schärft. Fällt der erste Treffer früh, ist die Geschichte schnell vergessen. Fällt er spät, wird jede Minute an die erinnert, die fehlt. Für Wück gibt es nur eine Antwort: „Wir spielen, bis das Netz zittert.“ Punkt.