Bronze trotz drei fehlern: maier schreibt paralympics-märchen weiter

Marco Maier schafft das Kunststück, mit drei Schießfehlern eine Medaille zu gewinnen. Der Oberstdorfer sprintet in der Verfolgung über 7,5 km zum dritten Mal aufs Podest – und reiht sich damit in die deutsche Biathlon-Dynastie ein, die in Mailand/Cortina keine Disziplin auslässt.

Die zahl, die alles erklärt: 24 sekunden

Das war sein Rückstand nach der Qualifikation. Genug, um im Finale nachzulegen, nicht genug, um bei drei Strafrunden noch Gold zu holen. Maier lief 19:36,9 Minuten, blieb 1:12 Minuten hinter dem übermächtigen Chinesen Liu Zixu, aber 4,3 Sekunden vor dem US-Boy Kendall Gretsch. Bronze ist kein Trost – es ist sein Ritterschlag.

Die Wetter-Kurve in Tofane zeigt 12 Grad im Schatten. Die Loipe weicht auf, die Ski kleben. Genau diese Bedingungen liegen dem 26-Jährigen. „Ich bin kein Technik-Fuchs, ich brauche Kämpfen“, sagt er nach dem Rennen, während sich die Kondenswassertropfen von seiner Brille lösen. Drei Mal musste er in die Strafrunde, doch seine Laufzeiten kompensieren fast alles.

Frauen-power im schatten

Frauen-power im schatten

Anja Wicker holt in derselben Disziplin ihre dritte Medaille – Bronze, 1:06 Minuten hinter Gretsch. Die 34-Jährige liefert das Musterbeispiel für deutsche Konstanz: Silber über 6 km, Bronze über 12,5 km, Bronze über 7,5 km. Andrea Eskau wird Siebte, bleibt ohne Edelmetall, aber mit der Gewissheit, dass das Team jeden Tag zehn mögliche Medaillen im Visier hat.

Leonie Maria Walter feiert im Sehbehinderten-Lauf Rang drei der Quali – trotz einem Fehler. Linn Kazmaier und Johanna Recktenwald folgen auf den Plätzen fünf und sechs. Die Staffel schläft nicht, sie lädt nur um.

Pisten-kritik wird lauter

Pisten-kritik wird lauter

Zwischen den Rennen melden sich die Alpin-Piloten. Alexander Rauen findet deutliche Worte über die weiche Piste in Tofane: „Zwei große Fehler, weil die Kante bricht. Das kostet brutal Zeit.“ Christoph Glötzner stürzt im Riesenslalom, Leon Gensert folgt – 15 Monoskifahrer scheitern im ersten Lauf. Die Forderung nach einer Verlegung der Paralympics in kältere Regionen wird lauter, doch das IOC hält Kurs.

Livestream statt tribüne

Livestream statt tribüne

Der Banked-Slalom der Snowboarder wurde vorgezogen – vor leeren Rängen. Christian Schmiedt wird Zehnter, die Zuschauer fehlen, weil viele Tickets für Samstag gebucht hatten. „Ich wäre bei Regen gefahren, Hauptsache mehr Fans“, sagt der 37-Jährige. Seine Enttäuschung teilen 1,2 Millionen Stream-Zuschauer, die das Rennen in Echtzeit verfolgen – eine Zahl, die den TV-Zuschauern der letzten Winterspiele um 34 % übersteigt.

Der Deutsche Behindertensportverband kündigt an, an der Schlussfeier in Verona teilzunehmen – nach Boykott der Eröffnung. Die Botschaft: Wir protestieren, aber wir feiern trotzdem mit. Das passt zur Stimmung im Lager: kritisch, aber siegreich.

Am Sonntag entscheidet sich im Slalom, ob Glötzners Risiko belohnt wird. Maier ist schon jetzt der Gewinner dieser Spiele – drei Medaillen, ein Gesicht, null Selbstzweifel. Die Paralympics 2026 sind sein Wintermärchen – und das der ganzen deutschen Mannschaft.