Briten läuft sich in oslo blau: zwölf bier, ein paar schnäpse – und platz 67

Gabriel Gledhill hat Holmenkollen neu definiert. Statt Pulver und Schleim tankte der Brite im 50-km-Rennen Kistenbier und Klarer – und schwankte als letztplatizierter, aber legendärer Zielankömmling durchs Band. „Ich bin ziemlich besoffen“, sagte er nach 1:58:32 Stunden und mehr als 20 Minuten Rückstand auf Sieger Einar Hedegart. Die Zuschauer jubelten, die Skandinavier lachten, die Verbände zuckten mit den Schultern.

Die dritte runde war der start in die kneipenrunde

Der 23-Jährige hatte sich eigentlich vorgenommen, „nur ein bisschen Stimmung mitzunehmen“. Doch schon nach 15 Kilometern griff er zum ersten Red Bull-Bier, kurz darunter folgten Schnapsflaschen entlang der Strecke. „Jemand hielt mir einen Becher hin – ich trank. Dann noch einen. Und noch einen“, sagt Gledhill. Zwischenzeitlich musste er sich übergeben, lief aber weiter. „Kotzen, putzen, weiterlaufen“, kommentierte er trocken.

Die Organisatoren blieben gelassen. Wettkampfregeln untersagen zwar externe Hilfe, nicht aber Alkohol vom Rand. Deshalb blieb alles im Legalen – moralisch ist die Aktion ein offener Schritt. Der British Nordic Ski Team-Coach wollte sich gestern nicht äußern, nur so viel: „Wir werden intern besprechen, wie wir mit Gabriel umgehen.“

Der zeitplan war eh geschichte

Der zeitplan war eh geschichte

Gledhill startete als Fahrer des hinteren Drittels, seine Bestzeit liegt bei 2:11:00 – weit weg der Weltspitze. Er wollte eigentlich Erfahrung sammeln, sammelte stattdessen Promille. Am Ende lagen zwischen ihm und dem Norweger Hedegart 20:36 Minuten, dazwischen 66 andere Läufer. Dennoch: 75 Starter, 67. Platz, null Reue. „Holmenkollen ist das Fest des Langlaufs. Ich habe mein Fest gefeiert“, sagt er.

Die Szene erinnert an die Tour de France-Episode von 1997, als der Franzose Christophe Rinero betrunken die Alpen quälte – nur dass Gledhill seine Rauschfahrt offen einräumt. Die Clips gehen viral, Sponsoren schalten sich aus, Fans buchen Norwegen-Reisen. Der Skisport bekommt ein Maskottchen, das niemand bestellt hat.

Am Montag fliegt Gledhill zurück nach Leeds. Er wird einen Kater haben, vielleicht auch einen Startverzicht für die nächsten Weltcups. Aber er hat bereits angekündigt: „Wenn ich nächstes Jahr wiederkomme, nehme ich einen Bierzug mit.“ Die Veranstalter arbeiten bereits an einem Alkohol-Verbot entlang der Loipe. Die Antwort der Fans: „Dann trinken wir halt vorher.“