Paralympics-aus für deb-team: italien schickt deutschland auf rang sechs
Mailand – 20 Jahre hat das deutsche Sledgehockey-Team auf dieses Comeback gewartet. Am Ende reicht es nur zu Platz sechs. Eine 2:5-Klatsche gegen Gastgeber Italien in der Platzierungsrunde besiegelte das vorzeitige Aus bei den Paralympics und das Scheitern am eigenen Anspruch.
Die Zuschauer in der Santagiulia Arena sahen ein Auf und Ab der Gefühle. Bernhard Hering nagelte den Puck an die Latte, schlug Sekunden später zur 1:0-Führung ein – und schien die deutsche Hoffnung zu sein. Doch was folgte, war ein Kollaps in drei Akten. Nach dem Seitenwechsel drehte Italien auf, kassierte zwar ein Eigentor, agierte aber schneller, direkter, entschlossener. Die Treffer von Nikko Landeros und Christoph Depaoli brachen die deutsche Abwehr, Gianluigi Rosa versenkte den letzten Nagel.
Willmann sieht überforderung und fehlende coolness
Bundestrainer Peter Willmann sprach nach dem Schlusspfiff Klartext. „Bis zum 2:2 war alles okay. Danach haben wir unsere Struktur verloren, einfache Fehler gemacht und die Italiener hatten in jedem Zweikampf den längeren Stock.“ Sein Fazit klang trotz des enttäuschenden sechsten Platzes nicht verzagt: „Wir wissen, wo die Schrauben sitzen. Die Mannschaft ist jung, das Turnier eine Schule.“
Kapitän Malte Brelage nahm die Niederlage mit Sportsgeist. „Wir haben 20 Jahre auf dieses Turnier gewartet. Jetzt wissen wir, wo wir stehen und wie viel Arbeit vor uns liegt.“ Seine Stimme zitterte, doch der Blick blieb starr auf die Eisfläche gerichtet – als würde er schon das nächste Training visualisieren.

Einziger sieg gegen die slowakei rettet nichts
Die Vorzeichen waren schon vor dem italienischen Endspiel düster. Drei Niederlagen in der Vorrunde raubten den Deutschen die Halbfinal-Chance. Nur das 4:3 nach Verlängerung gegen die Slowakei im ersten Platzierungsspiel wirkte wie ein kurzer Lichtblick, wurde aber durch die folgende Pleite ad absurdum geführt.
Vergleicht man die Ergebnisse mit der vergangenen WM, wo Deutschland Rang fünf belegte und sich damit das Ticket für Mailand sicherte, zeigt sich ein Rückschlag. Das beste deutsche Resultat bei den Paralympics datiert noch aus dem Jahr 2006 – ein vierter Platz in Turin. Seither stagniert die Entwicklung, trotz professioneller Strukturen und wachsender Medienaufmerksamkeit.
Die Zahlen sind gnadenlos: fünf Spiele, nur ein Sieg, zehn Gegentore im letzten Viertel der Partien. Die Analyse wird den Verband beschäftigen. Neue Talente müssen her, die physische wie mentale Belastbarkeit steigt. Und die nächste WM rückt bereits in vier Monaten in den Blick.
Für Jörg Wedde, Fahnenträger und emotionaler Anker, bleibt trotz allem Stolz. „Wir haben das Land repräsentiert, haben gezeigt, dass Sledgehockey hierzulande lebt.“ Doch leben reicht bei der nächsten Paralympics nicht mehr. Dann will niemand nur teilnehmen – sondern endlich um Edelmetall kämpfen.
