Bosnien schreibt playoff-geschichte: barbarez’ elf jagt italiens albtraum
Zenica, Dienstag, 20.45 Uhr – und ein ganzes Land hält den Atem an. Die Drachen von Sergej Barbarez haben in Cardiff den ersten Playoff-Sieg überhaupt eingefahren, nun winkt das zweite WM-Turnier der Geschichte. Der Gegner: Italien. Die Bilanz: seit 1996 ungeschlagen gegen die Azzurri. Die Stimmung: kochend.
Die zitternde favoritenrolle der squadra azzurra
Die Zahlen lügen nicht, aber sie erzählen auch nicht alles. Vier Siege, ein Remis – das ist Italiens Verhältnis gegen Bosnien. Doch die letzte Begegnung liegt zwei Jahre zurück, und seitdem hat sich die Squadra Azzurra zweimal nicht für eine WM qualifiziert. Jetzt droht das gleiche Schicksal, nur diesmal mit Rino Gattuso an der Seitenlinie, der die Defensive umbauen und die Seele der Mannschaft neu einbauen muss. Seine Antwort auf den Druck: „Wir fahren nach Zenica, um zu gewinnen, nicht zu überleben.“
Barbarez hingegen spielt mit dem Selbstvertrauen eines Mannes, der die Playoff-Fluch-Geschichte persönlich geschrieben hat. Als Spieler floh er 1992 aus dem Krieg, schoss sich in der Bundesliga zur Torjägerkrone und kehrte nie mehr zurück – bis er vor zwei Jahren die Nationalmannschaft übernahm. Sein Credo: „Wir sind keine Außenseiter mehr, wir sind Realisten.“

Edin dzeko und die 30-tore-marke
Der Schalker traf in der Qualifikation fünfmal, nur Lewandowski und Ronaldo waren noch effizienter. Doch Dzeko ist nicht allein. Tabakovic und Demirovic liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das Bosnien zur viertbesten Offensive der Gruppenphase machte. Dahinter steht ein Defensivverbund mit Serie-A-DNS: Muharemovic (Sassuolo), Kolasinac (Atalanta) und der ausgefallene Hadzikadunic, dessen Muskelverletzung Barbarez zur Zerreißprobe macht.
Italiens Problem: Die letzte Null im Playoff liegt acht Jahre zurück. Seitdem kassierte man in 14 Entscheidungsspielen mindestens ein Gegentor. Zenica, ein Kessel mit 15.600 Plätzen, wird kein Pflaster, sondern ein Pulverfass.

Die 71. gegen die vier-sterne-elf
Im FIFA-Ranking trennen 67 Plätze. Auf dem Papier ein Klacks für Italien. Auf dem Rasen aber zählt nur, wer die Nerven behält. Barbarez hat seine Spieler in dieser Woche mit Videos der 1996er-Sarajevo-Pleite konfrontiert – nicht zur Demontage, sondern als Brandbeschleuniger. „Wir haben 28 Jahre gewartet, um es besser zu machen“, sagt er. Die Uhr tickt. Für Gattuso beginnt um 20.46 Uhr entweder die Rettung oder der nächste Albtraum.
