Böller-attacke stoppt 3. liga: torwart wienand ins krankenhaus eingeliefert
Ein Böller, 40 Minuten Stille, dann ein Stadion ohne seinen Torhüter. Die 3. Liga schlug am Dienstagabend die Bremse an, nachdem Felix Wienand von einer Bengalos-Detonation neben dem Essener Tor am Boden lag und die Hand an den Ohren hielt. Die Partie zwischen Rot-Weiss Essen und dem Waldhof Mannheim wurde nach mehr als einer Dreiviertelstunde Pause bei 1:0 fortgesetzt – nur eben ohne den 26-jährigen Schlussmann, der mit Rettungswagen ins Universitätsklinikum musste.
Schiri kernchen schickt alle in die kabine – ausgerechnet beim essener führungstor
Referee Lennart Kernchen hatte in der 53. Minute den Spielfluss unterbrochen, als der Knall über das Georg-Melches-Stadion peitschte. Sofort war klar: das Geräusch kam nicht vom Rasen, sondern aus dem Gästeblock. TV-Bilder zeigen, wie ein Mannschaftsmitarbeiter Essens mit heruntergeklappten Ohren auf den Rasen sprintet und Koschinat wild gestikulierend an der Seitenlinie steht. Die Mannheimer Fans hatten zuvor schon mit Pyrotechnik provoziert, diesmal traf es den Torwart persönlich.
Uwe Koschinat tobte. Der Essener Trainer schrie Richtung Auswärtskurve, winkte ab, schüttelte den Kopf. Dann zog er Tino Casali aus der Reserve: der Ex-Austrian-Profi bekam keine fünf Minuten Vorlaufzeit, sondern wurde mitten ins Kaltstart-Getümmel geworfen. Casali hielt, was zu halten war, doch die Stimmung blieb aufgeheizt. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung, der DFB wird ein Aufgebot an Zeugenvideos sichten.

Kein happy end für den msv – duisburg verpasst anschluss an die spitze
Während in Essen die Sirenen heulten, schlichen sich die Sorgenfalten beim MSV Duisburg tiefer. Beim 0:0 in Ingolstadt blieb der Traditionsklub ohne Durchbruch, vier Punkte hinter Osnabrück und Cottbus liegen die Zebras nun auf Rang drei. Fünf Spiele, nur zwei Siege – die Aufstiegsluft wird dünner. „Wir schießen uns selbst in den Fuß“, murmelte ein mitgereister Fan nach Abpfiff im Audioport, und die Statistik gibt ihm recht: 13 Gegentore in den letzten acht Partien, dazu die mickrige Ausbeute von acht Toren in den letzten fünf Spielen.
Die Liga tickt weiter, doch die Bilder von Wienand, der sich krampfhaft die Ohren hält, werden nachhallen. Für Pyrotechnik gibt es keinen Platz im Fußball – das haben schon die Parolen gemurmelt. Aber wenn ein Torhüter ins Krankenhaus muss, verstummt auch das letzte „aber die Atmosphäre“-Argument. Rot-Weiss Essen gewann trotzdem mit 1:0, weil der Fußball manchmal kalte Geschäfte macht. Wienand bleibt vorerst außer Gefecht, das Stadion bekommt ein verändertes Sicherheitskonzept, und die 3. Liga erinnert sich daran, dass ein einzelner Knall reicht, um eine ganze Saison zu erschüttern.
