Boklöv zu 60: kiesewetter fordert mehr anerkennung für pionier
Ein Mann, der das Skispringen für immer veränderte, wird geehrt – oder eben doch nicht? André Kiesewetter, einst selbst bahnbrechender V-Sprung-Pionier, kritisiert die mangelnde Würdigung seines schwedischen Mentors Jan Boklöv anlässlich dessen 60. Geburtstages am kommenden Dienstag. Die Forderung ist klar: Boklövs Beitrag zur Sportgeschichte muss endlich seinen Platz einnehmen.

Der v-stil: mehr als nur eine technik
Boklövs revolutionärer V-Stil, der 1988 mit einem überraschenden Weltcupsieg für Aufsehen sorgte, trotz erheblicher Punktabzüge, war eine Zeitenwende. Kiesewetter, der sich daraufhin vom Parallelstil verabschiedete, feierte 1990 als zweiter V-Sprung-Pilot einen weiteren Weltcup-Sieg. Die Umstellung aller anderen Springer folgte prompt. „Jan Boklöv hat das Skispringen revolutioniert“, betont Kiesewetter. „Es gibt nur wenige Athleten, die ihren Sport im Alleingang so nachhaltig verändert haben. Der V-Stil sollte Boklöv-Stil heißen.“
Die Karriere von Kiesewetter, der heute als Physiotherapeut bei den Schweizer Skispringern tätig ist, wäre ohne Boklövs Einfluss ganz anders verlaufen. „Ich habe ihm gesagt, er sei das Aushängeschild des Skispringens geworden. Ein Revolutionär“, so der 56-Jährige. Vor allem die bevorstehende Weltmeisterschaft 2027 in Falun, dem Ort, an dem Boklöv den V-Stil einst entwickelte, bietet die perfekte Gelegenheit für eine angemessene Ehrung.
Ein Detail, das oft übersehen wird: Die Bedeutung von Boklövs Mut, gegen den damaligen Mainstream zu schwimmen. Er riskierte Punktabzüge und Spott, um seinen eigenen Weg zu gehen. Und er hatte Recht.
Kiesewetter plant, mit FIS-Renndirektor Sandro Pertile über eine mögliche Ehrung zu sprechen. „Ich habe gehört, dass man ihn da an die Schanze locken will. Ich hoffe, dass er dort geehrt wird.“ Ob die FIS dieser Forderung nachkommt, bleibt abzuwarten. Doch eines ist sicher: Jan Boklövs Vermächtnis lebt weiter – und verdient mehr als nur ein paar wohlwollende Worte.