Björn werner rastet aus: florida state erhebt ihn in den olymp
Die Nachricht traf ihn mitten ins Herz. Björn Werner, 35, saß in seinem Berliner Büro, als das Facetime-Symbol aufleuchtete. Am anderen Ende: FSU-Athletikdirektor Michael Alford mit einer Einladung, die kein ehemaliger Seminole jemals ablehnt – die in die Florida State Hall of Fame.
Werner brach sofort in Tränen aus. „Ich habe geheult wie ein Schlosshund“, sagt er mir am Telefon, während seine Stimme noch immer rau klingt. „16 Jahre alter Außenseiter aus Berlin, der nicht mal ein englisches Wort konnte, und jetzt hängt mein Portrait neben Deion Sanders und Derrick Brooks. Das ist keine Karriere, das ist ein Märchen.“
Von lichterfelde ins college-elitequartier
Der Weg war steil. 2008 flog der damals 16-Jährige mit einem Koffer und 400 Dollar Taschengeld nach Connecticut, weil ein Scout seinem Film auf YouTube einen Daumen nach oben gab. Zwei Jahre später stand er in Tallahassee vor einem 140-Kilo-Left-Tackle aus Alabama und dachte: „Jetzt oder nie.“
2012 lieferte er die Antwort: 13 Sacks, 18 Tackles hinter der Line of Scrimmage, ACC Defensive Player of the Year. Kein Deutscher hatte jemals eine College-Saison dominiert wie dieser drahtige Berliner mit der Nr. 95 auf dem Rücken.
Die Colts zogen ihn 2013 an 24. Stelle – bis heute der höchste deutsche Pick überhaupt. Drei NFL-Jahre, 79 Tackles, ein AFC-Finale, dann war Schluss. Die Knie streikten, der Körper sagte Nein. Doch statt zu jammern, baute Werner sich eine zweite Karriere auf – und die ist heute so erfolgreich wie seine erste.

Rtl, podcast, colts-ambassade – und jetzt bronzeplakette
Werner ist nicht nur Stimme der NFL auf RTL, sondern auch Markenbotschafter der Colts und Co-Host des Podcasts „Football Bromance“ mit Patrick Esume. Seine Analysten-Qualitäten sind gefragt wie selten: Kein deutscher Experte kennt die Liga so tief, keiner erklärt Cover-3-Schemata so locker wie ein Berliner Schnack auf dem Spielplatz.
Die Hall-of-Fame-Ehrung kommt zur perfekten Zeit. Am 23. April 2026 steigt der nächste Draft in Detroit – und Werner wird wieder auf dem roten Teppich stehen, diesmal nicht als Prospect, sondern als Stimme Europas. „Wenn ich da stehe und meine Bronzetafel in der Doak Campbell Stadium sehe, weiß ich: Der kleine Bengel von der Wilhelm-Gymnasium hat es geschafft. Und vielleicht schaut irgendwo ein 15-Jähriger aus Hamburg oder München und denkt: Wenn der Werner es kann, dann kann ich das auch.“
Die Tränen sind getrocknet, der Berliner Akzent ist geblieben. Für Björn Werner beginnt gerade erst die zweite Halbzeit – und die klingt nach Extrazeit.
