Bisseck packt aus: so kämpfte er sich in inters stamm-elf – mit selbstironie und espresso

Der deutsche Innenverteidiger Yann Bisseck hat in einem Kicker-Interview die hinter den Kulissen verborgene Hürden-Rallye beim FC Inter offengelegt. Nach dem U21-Europameistersommer 2019 wechselte er für sieben Millionen Euro aus Aarhus nach Mailand – und landete sprachlos mitten im Starensemble.

Die erste woche: ein körpersprache-duell mit inzaghi

Trainer Simone Inzaghi sprach kein Englisch, Bisseck kein Italienisch. „Unser einziger Rettungsanker war ein zerfetztes Französisch, das wir beide nur zur Hälfte beherrschten“, sagt der 23-Jährige. „Ich hatte das Gefühl, er wusste nicht, ob ich ein Mitspieler oder ein mobiles Trainingsgestell war.“ Die Kommunikation reduzierte sich auf Handzeichen und Laufwege. Für einen Verteidiger ein Albtraum: Wenn die Viererkette nicht synchron schreit, reißt die Abseitsfalle.

Die Lösung war keine Schulschrift, sondern ein Lebensstil. Bisseck setzte sich morgens in die Bar Centrale an der Via Mercanti, bestellte Espresso und cornetto auf Italienisch und ließ sich von den Kellnern korrigieren. „Ich habe 14 Tage lang nur gestikuliert und dabei mein Ohr trainiert. Nach drei Wochen träumte ich auf Italienisch, nach sechs konnte ich mit Barella über Pressing schimpfen“, lacht er.

Von der reservistenrolle zur champions-league-startelf

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Die Sprach-Choreografie war der Schlüssel zur Spielpraxis. In der Saison 2024/25 stand Bisseck in zwölf Pflichtspielen von Anfang an auf dem Platz – zweimal in der ChampionsLeague, viermal im Derby gegen Milan. Seine Zweikampfquote stieg von 56 % auf 71 %, die Pässe pro 90 Minuten kletterten von 38 auf 67. Zahlen, die Inzaghi überzeugten und die Fans in die Curva Nord katapultierten.

Der 1,95 m-Mann liefert auch ein Bonmot mit: „Für sieben Millionen bist du im Inter kein Star, du bist ein Kredit. Ich wollte nicht der teuerste Turnschuh sein, sondern der, der den anderen passt.“

Der nächste schritt: wm 2026 mit deutschlands dfb-elf?

Der nächste schritt: wm 2026 mit deutschlands dfb-elf?

Bisseck hat die deutsche und die kamerunische Staatsangehörigkeit. Nach Gesprächen mit Hansi Flick und Niclas Füllkrug deutet er an: „Wenn mein italienischer Pass irgendwann kommt, werde ich mich trotzdem für Die Mannschaft entscheiden. Die Sprache, die ich jetzt beherrsche, ist Fußball. Und der ist international.“

Beim Inter plant man schon für den Sommer: Eine Ausstiegsklausel über 40 Millionen Euro soll europäische Klubs abschrecken. Bisseck selbst will lieber den nächsten Espresso trinken – und mit Inzaghi über eine neue Abwehr-Variante philosophieren. Ohne Wörterbuch, nur mit Blickkontakt.