Billie jean king schlägt zurück: „der kampf geht weiter, wir brauchen die männer“

„Ich war zwölf, sah nur Weiß – weiße Bälle, weiße Kleidung, weiße Gesichter – und fragte mich: Wo sind alle anderen?“ Mit diesem Satz eröffnet Billie Jean King ein Gespräch, das kein bisschen nach Ruhestand klingt. 52 Jahre nach dem legendären „Battle of the Sexes“ gegen Bobby Riggs zieht die 81-jährige Grand-Slam-Siegerin und WTA-Gründerin Bilanz – und die fällt erbarmungslos aus.

Die Zahlen, die sie zitiert, klingen wie ein Seitenhieb ins Kontor der Männerdomäne: „Nur 8 % aller Sportmedien berichten regelmäßig über Frauen, obwohl wir 40 % aller Athleten stellen. Und die Kassen? 1 % der globalen Sponsorengelder landet bei Frauen.“ Die Stimme wird schärfer. „Das ist keine Lücke, das ist eine Schlucht.“

Italiens tennis-boom ist ihr lieblingsbeispiel

King schwärmt kurz für Jannik Sinner und Jasmine Paolini, doch dann dreht sie den Spieß um: „Wenn das italische Tennis so strahlt, liegt es auch daran, dass die Fed-Cup-Mannschaft endlich dieselben Flugklassen und Trainingszeiten bekommt wie die Davis-Cup-Herren. Gleichberechtigung ist kein Geschenk, sie ist Investition.“

Die ehemalige Weltranglistenerste erinnert sich an die Stunde Null von 1973, als die Männer die ATP gründeten und die Frauen aussperrten. „Wir haben uns nicht beschwert, wir haben innerhalb von 24 Stunden die WTA auf die Beine gestellt. Aber ich hatte gehofft, dass wir 2025 zusammen in einer Organisation sitzen. Statistisch gesehen sind wir heute weiter auseinander als je zuvor.“

Kurz vor dem Start von Indian Wells fordert King einen radikalen Schnitt: „Fusion von ATP und WTA? Unvermeidlich. Aber nur, wenn Frauen 50 % der Stimmen bekommen. Alles andere wäre ein neues Alibi.“

Die neue battle-of-the-sexes-show lässt sie kalt

Die neue battle-of-the-sexes-show lässt sie kalt

Als Aryna Sabalenka und Nick Kyrgios im Januar ein Showmatch nachspielten, spendierte die Tennis-Ikone ein müdes Lächeln. „90 Millionen sahen 1973 mein Match gegen Riggs, weil es um Gesetze ging, nicht um Gelächter. Heute wird daraus Netflix-Unterhaltung. Die Revolution frisst ihre Kinder – und verkauft sie als Merchandising.“

Ihr Appell an die nächste Generation klingt wie ein Kampfruf: „Mädchen, lasst euch nicht in die Nische „Frauensport“ drängen. Fordert dieselben Preisgelder, dieselben Prime-Time-Slots, dieselben Flugzeuge. Und Jungs, ohne euch am Tisch wird nichts passieren. Gleichberechtigung ist kein Nullsummenspiel, sie ist ein Multiplikator für jeden Cent, den ihr investiert.“

Die Uhr auf ihrem Schreibtisch zeigt 23:47 Uhr. King lacht trocken: „Ich bin 81, ich könnte im Bett liegen. Aber solange ein zwölfjähriges Mädchen fragt ‚Wo sind alle anderen?‘, bleibe ich auf dem Court.“