Billie jean king schlägt zurück: gleichberechtigung im sport ist ein marathon, kein sprint

90 Millionen saßen 1973 vor den Fernsehern, als sie Bobby Riggs demontierte. Heute, 52 Jahre später, schaut Billie Jean King auf dieselbe Kulisse – und sieht noch immer weiße Tennishemden, weiße Bälle, weiße Gesichter. „Wir sind noch lange nicht am Ziel“, sagt die Ikone der WTA, „und deshalb arbeiten wir jetzt mit den Männern zusammen.“

Die rechnung ohne den gast

1972 gründeten die Männer ihre ATP – und schlossen die Frauen aus. King antwortete mit der WTA. 50 Jahre Joint-Venture der Geschlechter? Fehlanzeige. „Wenn wir heute zusammenrücken, geht es nicht um Netzroller, sonum Nettolöhne“, sagt sie mit jenem frechen Grinsen, das damals Riggs zerzauste. Ihr Appell: ATP und WTA sollen fusionieren, gemeinsame Turniere, gemeinsames Ranking, gemeinsames Preisgeld. Die Logik ist simpel: „Gemeinsam verhandeln wir Milliarden, getrennt nur Krümel.“

Die italienische Tenniswelt liefert ihr das aktuelle Musterbeispiel. Jannik Sinner fegt durch die Hallen, Jasmine Paolini fliegt auf Platz fünf der Welt – und trotzdem kassiert Paolini in Indian Wells nur 57 Cent pro Dollar, die Sinner erhält. King schüttelt den Kopf: „Medienrechte sind der Hebel. Solange Frauenmatches als Bonusprogramm verkauft werden, bleibt der Bonus klein.“ Die Zahlen sprechen für sie: 2023 lag der Medienwert eines ATP-Matches bei 1,4 Mio. Dollar, ein WTA-Match bei 0,6 Mio. Dollar. „Frauensport war Add-on, nicht Add-Wert“, konstatiert sie knapp.

Der vorstand als erfolgsgarant

Der vorstand als erfolgsgarant

King zitiert eine McKinsey-Studie, die sie selbst auf dem Nachttisch liegen hat: „Unternehmen mit mindestens 30 Prozent Frauen im Board sind 25 Prozent profitabler.“ Ihr Fazit ist kein Appell, sondern ein Befehl: „Ohne Quoten bleibt die Quote niedrig.“ Sie selbst sitzt heute bei eight organisations, vom US-Sportministerium bis zur Laureus-Stiftung. „Jeder Stuhl, den wir einnehmen, ist ein Startpunkt, kein Ziel.“

Den jüngsten „Battle of the Sexes“-Remake mit Sabalenka und Kyrgios lobt sie als PR-Gag, nicht als Progress. „1973 ging es um ein Gesellschaftsdrama, 2025 um ein Gesellschaftsschauspiel.“ Die Original-Show zog 90 Millionen Zuschauer an, die Neuauflage gerade mal drei Millionen. „Zahlen lügen nicht: Das Publikum will echte Spannung, keine Scripted Reality.“

Die botschaft an alle mädchen

Die botschaft an alle mädchen

King schließt mit einem Satz, den sie seit 60 Jahren wiederholt: „Sport lehrt Mädchen, ihrem Körper zu vertrauen.“ Dann kommt der Punch, den sie sonst nur ihrem Ehemann überlässt: „Wenn wir Mädchen gleiches Preisgeld zahlen, zahlen wir ihnen gleiches Selbstwertgefühl ein.“ Sie zückt ihre goldene Wimbledon-Kette, ein Geschenk der 39 Frauen, die 1973 mit ihr die WTA gründeten. „Diese Kette wiegt 18 Gramm. Das ist weniger als ein Tennisball – aber schwerer als jedes Argument gegen Gleichberechtigung.“

Am Ende bleibt eine Zahl, die sie nie müde wird zu nennen: 2047. „Dann werde ich 104 Jahre alt. Wenn es bis dahin nicht geklappt hat, gebe ich nicht auf. Aber ich wette, dass wir es vorher schaffen – weil wir endlich zusammen spielen, nicht gegeneinander.“