Nagelsmann darf am spielfeldrand coachen: tablet-revolution bei der wm?
Die Fußballwelt steht vor einer kleinen, aber feinen Revolution: Julian Nagelsmann, Bundestrainer, darf bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada fortan während der Trinkpausen taktische Anweisungen über ein Tablet geben. Eine Entscheidung des International Football Association Board (IFAB), die das Spielgeschehen möglicherweise nachhaltig verändern könnte.

Die ifab öffnet die tür für digitale taktik
Lange wurde darüber spekuliert, ob und wie sich die Technologie in den Fußball integrieren lässt. Nun hat die IFAB, die oberste Richtlinieninstanz des Fußballs, einen ersten Schritt getan. Ab sofort sind „kleine, mobile, tragbare Geräte“ wie Tablets und Smartphones während der dreiminütigen Trinkpausen pro Halbzeit erlaubt. Eine Maßnahme, die offiziell zur medizinischen Versorgung der Spieler dienen sollte, angesichts der zu erwartenden Hitze. Doch der taktische Nutzen für die Trainer ist unbestreitbar.
US-Trainer Mauricio Pochettino testete diese Möglichkeit bereits in einem Vorbereitungsspiel gegen den Senegal und sorgte dabei für Aufsehen. Er präsentierte seinen Spielern Videoanalysen während der Pause – ein Vorgehen, das er selbst als ungewiss bezüglich der offiziellen Zulässigkeit bezeichnete. Die IFAB-Regularien sind klar: Elektronische Kommunikation mit Teamoffiziellen ist erlaubt, solange sie „in direktem Zusammenhang mit der Gesundheit oder Sicherheit der Spieler steht oder aus taktischen/Trainergründen erfolgt“.
Das bedeutet konkret: Nagelsmann kann nun während der kurzen Unterbrechungen nicht nur verbal Anweisungen geben, sondern auch visuell auf taktische Anpassungen hinweisen. Die Spieler müssen zwar auf dem Spielfeld verbleiben, das Tablet aber darf auf den Rasen. Das Versammeln der Mannschaft um das Gerät auf der Ersatzbank, wie es die Amerikaner praktizierten, ist allerdings nicht gestattet.
Nagelsmann hat in der Vergangenheit mehrfach seine Wünsche nach mehr taktischer Flexibilität während des Spiels geäußert, einem Art „Timeout“. Mit der nun erlaubten Nutzung von Tablets kommt er diesem Wunsch ein Stück näher. Es bleibt abzuwarten, wie die anderen Trainer dieser Welt die neue Regelung nutzen werden und ob sie tatsächlich zu einem taktischen Umdenken im Fußball führt.
Die Einführung digitaler Hilfsmittel könnte den Druck auf die Spieler erhöhen, ständig auf dem neuesten Stand taktischer Informationen zu sein. Es ist eine Entwicklung, die den Fußball von Grund auf verändern könnte – und das nicht nur auf dem Spielfeld.
