Biathletin hettich-walz: letzter olympia-start und abschied vom sport?

Die Luft in den Bergen ist klar, die Sonne kämpft sich durch die Wolken. Für Janina Hettich-Walz, Vize-Weltmeisterin im Biathlon, ist es ein Moment der Ruhe nach einer turbulenten Saison. Doch diese Ruhe ist trügerisch, denn die 29-Jährige steht vor einer wichtigen Entscheidung: Ist die Saison 2026/2027 ihre letzte?

Der traum von olympia zerplatzt

Die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo waren für Hettich-Walz ein Ziel, das sie sich mit aller Kraft erarbeitet hat. Nach der Geburt ihrer einjährigen Tochter Karlotta kehrte sie bemerkenswert schnell in den Spitzensport zurück. Die Motivation war klar: Olympia. Doch die Spiele verliefen enttäuschend. Eine Krankheit bremste sie aus, und der Traum von einer Medaille platzte. „Die Enttäuschung war schon sehr groß“, gesteht sie im Gespräch mit SWR Sport.

Familie vor karriere: ein neuanfang winkt

Familie vor karriere: ein neuanfang winkt

Für Hettich-Walz ist die Entscheidung gefallen. „Für mich ist klar, in vier Jahren werde ich nicht mehr dabei sein.“ Die Gründe sind vielfältig. Neben der sportlichen Enttäuschung spielt auch die Familienplanung eine entscheidende Rolle. Sie wünscht sich ein zweites Kind, und die Anforderungen des Leistungssports lassen sich damit kaum vereinbaren. Vier Jahre Vorbereitung sind eine lange Zeit, und das Investment in Reisen und Training ist enorm. „Noch ein, vielleicht auch noch zwei Jahre – und dann kommt das Ende meiner Karriere“, so die Biathletin.

Die herausforderungen der mutter im leistungssport

Die herausforderungen der mutter im leistungssport

Hettich-Walz ist eine Pionierin. Sie ist die erste deutsche Biathletin, die nach der Geburt eines Kindes in den Leistungssport zurückgekehrt ist. Dabei profitierte sie von der Unterstützung des Deutschen Skiverbandes (DSV). „Mir wurde zugesichert, dass ich nach der Geburt direkt wieder in die Trainingsgruppe Weltcup komme. Auch meine Stelle bei der Bundeswehr wurde verlängert.“ Die Vereinbarkeit von Mutterschaft und Spitzensport ist jedoch keine Selbstverständlichkeit. Es gibt weder Mutterschutz noch Elternzeit im Leistungssport. Hettich-Walz ist sich bewusst, dass der Verband auch eine andere Entscheidung hätte treffen können.

Ein vorbild für andere sportlerinnen

Ein vorbild für andere sportlerinnen

Ihre Rückkehr ins Rampenlicht hat viele Sportlerinnen inspiriert. „Die größte Resonanz war: 'Krass, dass du das gemacht hast, ich könnte mir das während der Karriere nicht vorstellen.'“ Hettich-Walz hofft, dass sie nicht die letzte deutsche Biathletin sein wird, die nach einer Schwangerschaft zurückkehrt. Sie plädiert für eine Anpassung der Regeln, beispielsweise die Beibehaltung des Kaderstatus nach der Babypause.

Die Zukunft gehört Karlotta. Janina Hettich-Walz blickt mit Zuversicht auf das, was kommt – und lässt damit eine erfolgreiche, wenn auch von Höhen und Tiefen geprägte Karriere im Biathlon zu Ende gehen.