Bezzecchi zerlegt das feld: aprilia-dominator in thailand
Marco Bezzecchi lässt die Konkurrenz stehen – und die TV-Kameras alt aussehen. Mit einer Start-Ziel-Fahrt beim MotoGP-Auftakt in Buriram rächt der 27-Jährige den Sprint-Patzer vom Vortag und katapultiert Aprilia in den Rausch: Vier Bikes in den Top fünf, die Zeiten jenseits aller Simulationen.
Der plan, der keine luft ließ
„Ich wollte weg vom Bildschirm“, sagt er nach 26 Runden, in denen er selbst die Helmkamera vergeblich suchte. Der Italiener setzt sich nach Startkontakt sofort an die Spitze, diktiert ein Tempo, das Reifen und Verfolger gleichermaßen zerreißt. Hinter ihm fallen Bagnaia, Viñales und Márquez in Zeitnot. „Wenn du so führst, sparst du dir Erklärungen“, lacht Bezzecchi, das Visier noch voller roten Thailand-Staub.
Die Zahlen sprechen für ihn: 1,4 Sekunden Vorsprung nach fünf Runden, 3,8 Sekunden am Ziel. Die Asphalttemperatur kratzt an 60 °C, doch der Aprilia-Renner bleibt stummelfrei. „Die Strecke ist ein Reifenfresser, aber ich wusste, wo ich plus fünf Zehntel nehmen kann und wo ich nur noch die Linie halten muss.“ Er spricht von Mikro-Management, als habe er jeden Pixel der Ideallinie programmiert.
Vom sprint-debakel zum boxenstopp-genie
Der Samstag war ein Albtraum: Sturz in der Sprint-Qualifikation, null Punkte, Frust bis in die Boxengasse. „Da schläfst du schlecht“, gibt er zu. Am Sonntagmorgen dann das Aufwachen: „Ich hab mir selbst gedroht: So nicht, wir bauen heute kein zweites Desaster.“ Er atmet durch, reduziert das Warm-up auf zwei riskante Outlaps, dann startet er wie eine Rakete.
Teamchef Massimo Rivola fliegt nach der Zieldurchfahrt direkt in die Fahrerparcours. „Diese Reifeleistung haben wir im Simulator nicht mal theoretisch erreicht“, sagt er mit zitternder Stimme. Tatsächlich testete Aprilia neue Dämpfer-Abstufungen, eine modifizierte Elektronik und einen Treibstoff, der erst seit Montat in der Homologation steht. Bezzecchi fährt alles ab, als wäre es ein Sonntagsspaziergang.

Die muay-thai-robe und ein boss, der jubelt
Im Parc fermé zieht er statt der Lederkombi eine knallrote Kampfsport-Robe an – ein Versprechen an einen Mechaniker, der Thailand-Kämpfer ist. „Der Boss wollte das Foto“, grinst er und holt die Faust hoch. Die Verkaufszahlen der Aprilia RS-GP Modelle dürften in den nächsten Tagen einen Sprung machen. Denn was in Buriram passiert, ist mehr als ein Sieg: Es ist die Ansage, dass die Italiener dieses Jahr nicht nur dabei sind – sie bestimmen das Tempo.
Die nächste Runde steigt in Katar. Wer danach noch fragt, ob Aprilia zum Titel fährt, hat den Start offensichtlich verpasst.