Betis verspielt europa-chance in bilbao: pellegrinis plan geht nach hinten los
Bilbao – Einmal mehr muss der Real Betis nach San Mamés mit leeren Händen und einem Gefühl im Bauch reisen, das zwischen Frust und Selbstvorwurf schwankt. Der 1:2-Auswärtsauftritt beim Athletic Club war keine Niederlage gegen einen übermächtigen Gegner, sondern ein Eigentor in 45 Minuten. Die Europa-League-Helden von Donnerstag wirkten am Sonntag wie ausgewechselt – und das auf dem grünen Teppich, der ihr Saisonziel hätte neu entzünden können.
Die erste halbzeit: ein system mit selbstverstümmelungscharakter
Manuel Pellegrini, sonst ein Taktik-Feinmechaniker, stellte seine Mannschaft in eine Formation, die eher an ein Fussball-Rätsel erinnerte: Doppelsturm, aber ohne Draht nach vorne; Doppel-Sechs, aber ohne Übergang. Mit Marc Roca anstelle des kreativen Pablo Fornals verwandelte sich das Mittelfeld in eine Staffelei, auf der die Bälle herunterfielen, aber nicht weitertransportiert wurden. Athletic presste, Athletic schaltete um, Athletic traf zweimal. Das 0:2 zur Pause war nicht nur ein Ergebnis, es war ein Statement darüber, wie leicht man sich selbst lahmlegen kann.
Die Statistik dahinter: Kein einziger Torschuss aus dem Zentrum bis zur 43. Minute, 38 % Ballbesitz und eine Passgenauigkeit, die um fünf Prozent unter der Saisonbilanz lag. Auf der Gegenseite: Nico Williams mit sieben gelungenen Dribblings, Oihan Sancet mit der Übersicht eines Schachspielers. Das Athletic-Prinzip funktionierte, weil das Betis-Prinzip noch im Flughafen von Athen verhängt hatte.

Die zweite halbzeit: ein befreiungsschlag mit verfallsdatum
Pellegrini nahm den Schleier aus dem Gesicht. Fornals rückte ins Zentrum, Ruibal beflügelte die rechte Seite, Bellerín brachte Frische. plötzlich spielte Betis Fussball, wie man ihn von der Remontada gegen Panathinaikos kannte: kurze Kombination, halbräumliche Lücken, Standards mit Gift. Fornals verkürzte mit einem Freistoss, der Unai Simón noch im Nacken der eigenen Fangruppe zucken liess. Abde und Bakambu hätten sogar den Ausgleich erzielen können, doch letzterer stand 22 Zentimeter im Abseits – eine Kleinigkeit, die den Untersschied zwischen Punkt und Pleite misst.
Die Uhr tickte, das Spiel plätscherte, Athletic wehrte mit Routine. Am Ende standen 13 Torschüsse für die Gastgeber, neun für den Betis – ein Spiegelbild einer Partie, die erst nach der Pause zur Partie wurde. Die Frage, die sich Pellegrini in der Nacht stellen wird, lautet nicht, warum seine Mannschaft verlor, sondern warum sie erst nach dem Schaden ihre eigentliche Stärke fand.

Was das bedeutet: die liga lässt keine re-runs zu
Mit diesem Rückschlag verpasst Betis den Sprung auf Rang fünf. Stattdessen schleicht man sich bei 46 Zählern wieder in die Mittelmässigkeit. Die Konkurrenten aus Valencia und Real Sociedad haben bereits gewittert, dass die Europa-League-Plätze noch längst nicht verteilt sind. Die Physiotherapeuten bereiten sich auf Überstunden vor: Am Donnerstag wartet bereits das nächste Spiel, die Anreise nach Athen hat Spuren hinterlassen. Pellegrinis Kader ist nicht tief genug, um zwei Systemwechsel pro Woche zu stemmen. Die Lösung kann nur lauten: Entweder man findet eine Startelf, die von Anfang an Fußball spielt – oder man findet sich am Ende mit der Conference League ab. Die Uhr tickt. Die Liga wartet nicht auf Selbstfindung.
