Betis und hummel entfesseln frühlingskollektion mit pop-art-attacke

Sevilla tanzt wieder. Real Betis und Ausstatter hummel schmeißen die „Fiestas de la Primavera“-Kollektion auf den Markt – ein visueller Tsunami aus Kapo, Flamenco und Kopfball-Gordillo. Kein Standard-Merchandise, sondern ein Andalusien-Triptychon auf Stoff und Keramik, gemalt von dem Pop-Art-Historiker Agustín Israel Barrera.

Kapo und copa: so sieht der betis-pantheon aus

Kapo und copa: so sieht der betis-pantheon aus

Die Prematch-Shirt, die das Team vor dem Espanyol-Spiel trägt, funktioniert als lebender Museumsflyer. Barrera pflastert sie mit Karos, Capirotes, Flamenca-Punkten und dem Kopf von Rafael Gordillo, der in Zeitlupe die Nr. 3 zum volley nimmt. Daneben: Joaquín in der 17, hochgetragen auf seinem Heliópolis-Abschied; ein Ball mit der 26 für den 2010 verstorbenen Miki Roqué; der Schutzheilige Palmerín und der Moderne-Curro – alles Akteure eines riesigen Karussells, das sich um das Wappen von 1977 dreht.

Die Botschaft ist laut: Betis ist keine Fußballmarke, sondern ein Volksfest. Darum gibt’s nicht nur Trikots, sondern auch Baumwoll-T-Shirts, Leinwände, Jute-Beutel, Fächer und Manzanilla-Tassen. Die Clou-Verkaufsstelle: der Online-Shop des Klubs. Die Clou-Präsentation: gestern in der Kultkneipe „Casa Azul“ an der Alameda de Hércules, moderiert vom Schriftsteller Julio Muñoz „El Rancio“ und begleitet von der Tänzerin Triana Ramos und Vera-Fauna-Drummer Juanlu Romero. Héctor Bellerín kam in Sneakern, unterschrieb Autogramme und erklärte, er würde das Shirt „auch im Urlaub tragen – Sevilla eben“.

Kurz hinter der Rückennummer prangt ein Nazareno und eine Flamenca, die mit Manzanilla-Gläsern auf die Copa del Rey 1977 anstoßen. Links unten thront König Ferdinand III., der die Plaza Nueva bewacht – Ort der Betis-Meisterfeiern 1935 und 1977. Über ihm klappern Pferdekoppeln und Gitarras, während das Stadtbild von der Giralda über Las Setas bis zur Cartuja in einem Zug abgerast wird. Pop-Art? Eher Pop-Andalusien.

Agustín Israel Barrera, promovierter Kunsthistoriker und Pop-Maler aus Morón de la Frontera, nennt seine Methode „traditionelle Ikografie mit LSD-Farbchip“. Er arbeitet seit Jahren an der Schnittstelle von Semana Santa und Comic-Ästhetik; für Betis war der Schritt logisch, weil „kein Verein die Stadt so sehr atmet“. Die Einnahmen fließen zur Hälfte in die Betis-Foundation, die andere Hälfte finanziert Barreras nächste Ausstellung – Thema: „Kings League meets Gitanos“.

Wer jetzt denkt, das sei bloß ein Gag für Touristen, irrt. Die Online-Shop-Server brachen binnen zwei Stunden zusammen, 8.000 Stück gingen weg, der Preis: 75 Euro pro Shirt. Ein Teil der Auflage landet bereits auf eBay für 180 Euro. Sevilla feiert sich selbst – und verkauft dabei die eigene Seele mit Klub-Logo. Die Feria de Abril beginnt in zwei Wochen. Da werden selbst die Stierkämpfer in grün-weiß auftreten. Betis hat den Frühling erfunden, neu verpackt und sofort ausverkauft.