Betis jagt geschichte in braga: fajardo schwärmt von 2000 seelen-anhang

2000 Béticos verwandeln Braga in eine Mini-Sevilla. Manu Fajardo atmet tief durch, dann spricht er so schnell, als wolle er die Anspannung verscheuchen: „Wir leben diese Stunden mit einer Mischung aus purem Adrenalin und historischem Bewusstsein.“ Der Sportdirektor des Betis reiste mit dem Gefühl nach Portugal, dass sein Klub endgültig das Europa-League-Fieber als Dauergast statt als Gastgeschenk begreifen muss.

Erstmals im viertelfinale – kein zufall, sondern anspruch

Die Zahlen sind eindeutig: 27 Pflichtspiele ohne Niederlage im europäischen Wettbewerb, 13 Siege in den letzten 16 Duellen. Doch Fajardo will mehr. „Wir haben gelernt, dass Viertelfinals keine Fußnote sein dürfen. Sie müssen zur Routine werden, wenn wir der größten Anhängerschaft Spaniens gerecht werden wollen.“ Die Rechnung geht auf: Allein für das Hinspiel beim SC Braga busten Anhänger 47 Busse voll. Die Stadtverwaltung von Braga richtete provisorische Fan-Zonen ein – sonst nur bei Lokalderbys gegen Porto oder Benfica.

Die Begeisterung hat ein Gesicht: Isco. Der Mittelfeld-Zauberer, seit Wochen von Adduktoren-Problemen gebremst, landete trotzdem mit der Mannschaft in Portugal. „Isco braucht den Betis, der Betis braucht Isco“, sagt Fajardo knapp. Keine Worthülse, sondern einfache Mathematik: In den 78 Minuten, die der ehemalige Madrilene bisher in der Europa League spielte, stieg die Passgenauigkeit des Teams um 6,4 Prozent. Die Torgefahr verdoppelte sich sogar.

Braga gilt als underdog – fajardo sieht favoriten

Braga gilt als underdog – fajardo sieht favoriten

Der Portugiese tritt mit dem Etikett „Cinderella“ an, doch Fajardo warnt: „Sie spielen wie ein Klub, der sich selbst als Top-8-Mannschaft Europas sieht.“ Die Statistik stützt ihn: Braga erzielte in der Gruppenphase 14 Tore nach Ballgewinn im eigenen Drittel – mehr als jeder andere Teilnehmer. „Wenn wir uns drei Sekunden verspäten, sind sie schon im Strafraum“, sagt der Sportdirektor. Sein Gegenkonzept: hoher Defensivblock, sofortiges Umschaltspiel, Außenverteidiger, die sich wie Flügelstürmer verhalten.

Das 0:0 gegen Espanyol am Wochenende war kein Warnsignal, sondern Lehrstunde. „Wir hatten 2,17 xG, kassierten keine Großchance und pressten die zweiten Bälle besser als in jedem Liga-Spiel der Saison“, analysiert Fajardo. Das Problem: Torgefahr nützt nur, wenn der Ball auch zappelt. Die Lösung: „Morgens in Braga, abends im Tor.“

2000 Reisende, eine seele

2000 Reisende, eine seele

Die Béticos landeten am Mittwochmorgen in Porto, fuhren mit offenen Doppeldecker-Bussen nach Braga und sangen schon an der Grenze zwischen Spanien und Portugal. „Wenn sie in Santander und Burgos auftauchen, warum nicht hier?“ Fajardo grinst. „Unsere Fans machen aus jedem Stadion ein Estadio Benito Villamarín.“ Die Polizei rechnet mit 2200 Betis-Anhängern – offiziell sind 2000 gemeldet. Der Rest schleicht sich über kleinere Tore herein. „Wir spielen auswärts, aber wir sind nie allein.“

Für Fajardo ist der Knaller heute Abend nur der Anfang. „Wenn wir gewinnen, fordert der Verein automatisch höhere Gehälter, bessere Strukturen, mehr Investitionen. Das ist der Domino-Effekt des Erfolgs.“ Die Rechnung lautet: Viertelfinale bedeutet 3,2 Millionen Euro Prämie, plus TV-Geld und Ticketing. Genug, um den nächsten Transfer schon vorzufinanzieren.

Um 21:00 Uhr Ortszeit pfeift der Schotte Willie Collum auf. Dann entscheidet sich, ob Betis Geschichte schreibt – oder ob Braga die nächste Überraschnis plant. Fajardo jedenfalls klingt nicht wie ein Mann, der an Überraschungen glaubt. Sondern wie jemand, der sie selbst plant.