Betis jagt europa: 2.000 fans reisen nach braga – fajardo fordert dauerpräsenz
Die Bahnhöfe von Sevilla sind seit Tagen ein einziges grün-weißes Meer. Über 2.000 Beticos haben sich auf den Weg nach Braga gemacht, um ihre Mannschaft ins erste Europacup-Viertelfinale der Klubgeschichte zu peitschen. Manu Fajardo, Sportdirektor des Betis, atmet den Trip nach Portugal regelrecht ein: „Wir leben diese Stunden mit einer Mischung aus purem Adrenalin und der Last, Geschichte zu schreiben.“
Braga ist kein sprungbrett, sondern standard
Für Fajardo ist der heutige Abend (21 Uhr, Estádio Municipal) nur der Anfang. „Wir müssen uns daran gewöhnen, jedes Jahr solche Spiele zu bestreiten“, fordert der 47-Jährige. „Viertelfinale darf keine Fußnote mehr sein, sondern muss zur DNA des Betis gehören.“ Die Zahlen sprechen für ihn: Seit 2021 hat der Klub 24 Europapokal-Partien bestritten – nur Real und Barcelona waren in Spanien häufiger unterwegs. „Wir haben die Fanbasis, wir haben das Stadion, jetzt brauchen wir Kontinuität.“
Der Gegner aus dem Norden Portugals hat sich laut Fajardo „in den letzten zwölf Monaten zu einer Maschine entwickelt“. Analysevideos zeigen einen Braga, der in drei Viertelfeld-Aufbauten immer den freien Mann findet – und dann mit Tempo 100 Richtung Strafraum umschaltet. „Wenn wir nicht in jedem Zweikampf 110 % geben, werden wir hier weggespült“, warnt der Sportchef.

Isco-reise trotz adduktoren-fragezeichen
Ein Hoffnungsschimmer reiste trotzdem mit: Isco saß im Flieger Richtung Portugal, obwohl er seit drei Wochen nur individuell trainiert. „Er und das Team brauchen sich gegenseitig“, sagt Fajardo. „Wenn wir ihn in den letzten 20 Minuten bringen können, verändert das das gesamte Spielbild.“ Die medizinische Abteilung gab grünes Licht für den Kurzeinsatz – ein Wagnis, das sich Pellegrini aber leisten kann, weil Joaquín und Rodri aus dem Lazio-Spiel noch frisch in den Beinen haben.
Die Fans jedenfalls haben schon vor Anpfiff gewonnen. In Braga sind alle 2.200 Auswärtskarten restlos ausverkauft, dazu kommen Hunderte, die im neutralen Block landeten. „Wenn wir schon in Burgos und Santander ganze Stadtteile leer gekauft haben, warum dann nicht in Portugal?“, lacht Fajardo. „Unsere Fans verwandeln jedes Stadion in ein zweites Benito Villamarín.“
Die LaLiga-Pleite gegen Espanyol (0:0) war für den Sportdirektor nur ein „Ausrutscher in der Chancenverwertung“. Die Defensivleistung nannte er „die kompletteste der Saison“. Diese Form will er mitnehmen – und sie mit dem nötigen Biss in der Final-Third kombinieren. „Wir haben 17 Torchancen kreiert, aber nur drei aufs Tor gebracht. Das reicht in Europa nicht.“
Um 23 Uhr könnte der Betis entweder auf dem Weg ins Halbfinale stehen – oder die Saison plötzlich nur noch über die Liga retten. Fajardo will von Bruchrechnen nichts wissen: „Wir sind hier, um zu gewinnen. Alles andere wäre ein Verbrechen an der Leidenschaft dieser Fans.“ Die Rechnung ist einfach: Wer Europa ernst nimmt, mag auch in Braga nicht verlieren.
