Berrettini bläst in miami zum angriff: hitzeschlag statt krise
Matteo Berrettini wirft in Miami die Angst ab. 6:4, 6:2 gegen Alexandre Muller – keine Demonstration, sondern eine Befreiung. Die Wild Card für Monte Carlo steht bereits, aber erst mal droht morgen Alexander Bublik, der letzte Mann, der ihn 2021 in Wien schlug.
Die zahlen, die seine saison retten können
Die Statistik klingt harmlos: zweimal Aufschlag weggenommen, keine Breakchance zugelassen. Doch hinter den 44 Minuten des ersten Satzes steckt ein ganzer Winter voller Fragen. Berrettini verliert seit Wimbledon 2023 die meisten Matches vor dem Viertelfinale, seine Ranglistenpunkte schmolzen von Platz 6 auf 91. Nun verteidigt er in Miami Viertelfinal-Punkte – 180, die ihn wieder in die Top-80 katapultieren.
Er spielte Müller weg, nicht mit Power, sondern mit Taktik. Der Slice-Backhand war kein Notbehelf mehr, sondern ein Werkzeug, das dem Franzosen die Beine und die Lungen raubte. Im siebten Game des zweiten Satzes jagte er einen One-Hand-Topspin longline, Muller blieb stehen wie ein Mann, der seinen Bus verpasst hat.

Bublik wartet – und mit ihm die alte wunde
Der Kasache ist kein Unbekannter. 2021 in Wien setzte er Berrettini mit 6:4, 6:4 außer Gefecht, ein Match, in dem der Italiener 14 Breakbälle ungenutzt ließ. Seitdem ist Bublik schneller, dreht noch mehr Aufschläge auf die Linie. Berrettini kennt die Videos, er weiß, dass er innerhalb von 24 Stunden die gleiche Waffe entschärfen muss, die ihn einst erwischte.
Im Coaching-Corner steht wieder Thomas Enqvist, der Schwede, der ihn seit dem Comeback begleitet. Ihre Arbeit ist laut, aber effizient: mehr Körperrotation auf dem Aufschlag, früheres Erkennen der Returnposition. Die Daten vom ersten Match sind eindeutig: 73 % Erste Aufschläge, 84 % davon gewonnen – Zahlen, die er seit 2022 nicht mehr erreicht hatte.

Monte carlo als druck- und motorkolben
Die Wild Card für den Rolex Monte-Carlo Masters ist keine Geste der Nächstenliebe, sondern ein Kalkül. Die Turnierdirektion will Publikumsmagneten, Berrettini will Punkte. Auf Sand ist er nie so dominant wie auf Hartplatz, aber die Top-100-Anschlussfahrt führt über das Fürstentum. Er muss mindestens das Achtelfinale erreichen, um die Saison nicht zur Halbzeit abzuschreiben.
Die Sonne über Miami kocht, und Berrettini kocht mit. Gegen Muller schwitzte er, aber er lächelte – erstmals seit Monaten kam die Kamerafahrt nicht auf einem verzweifelten Gesicht zu stehen. Wenn er Bublik übersteht, folgt womöglich Alcaraz oder Sinner. Die Frage ist nicht, ob er sie schlagen kann. Die Frage ist, ob er endlich wieder glaubt, dass er es darf.
