Bermudagras, curaçao und die angst vor dem fehlstart

Houston ist bereit. Doch der Rasen zwickt. Und die Statistik nagt. Am Sonntag trifft Deutschland im ersten Match der WM 2026 auf Curaçao – eine Partie, die nach 90 Minuten schon die Richtung vorgeben kann. Denn wer den Auftakt versiebt, verliert selten nur zwei Punkte, sondern den Turnier-Fahrplan.

Der fluch der letzten sekunden

2018 knallte Mexiko. 2022 schlug Japan. Beide Male war nach der Vorruppe Schluss. Die Niederlagen saßen tief, weil sie nicht nur das Punktekonto rissen, sondern das Selbstvertrauen. Jetzt steht wieder ein Debütant vor der Tür. Curaçao hat nur 152.000 Einwohner, aber die Oranje-DNA und einen Haufen Speed auf den Außenbahnen.

Trainer Dick Advocaat warnt: „Jeder kann überraschen.“ Er sagt das nicht zum Schein. Er kennt deutsche Teams aus 27 Jahren Bundesliga-Alltag. Und er weiß, dass seine Truppe in der Vorbereitung nie verlor.

Gras, wasser, druck

Gras, wasser, druck

Im Quartier rollt der Ball trotz einer Mischung aus Bermudagras und Rye-Gras nicht ganz rund. Die Flanken bleiben hängen, die Pässe springen ab. Die DFB-Equipe hat extra einen Rasenpfleger aus Frankfurt mitfliegen lassen – ein Luxus, der aber zeigt, wie klein der Spielraum geworden ist. Denn wer gegen Curaçao patzt, braucht im zweiten Spiel gegen Kamerun schon ein Ergebnis und zugleich Tor-Reparaturen.

Die Zahlen sprechen für die deutsche Seite: Bei allen vier WM-Titeln startete die Mannschaft mit einem Sieg. 1954 das 4:1 gegen die Türkei, 1990 der 4:1-Kantersieg gegen Jugoslawien – Lothar Matthäus erinnert sich noch an seinen Solo-Lupfer. Die Bilder vom damaligen Sommer sind in Houston wieder Programm.

Der neue modus zwingt zur effizienz

Der neue modus zwingt zur effizienz

Zum ersten Mal nehmen 48 Teams teil, die besten Drittplatzierten rücken in die K.o.-Runde. Eine simple Rechnung: Drei Punkte plus ein ordentliches Torverhältnis reichen fast immer. Für Julian Nagelsmann heißt das: „Wir müssen Curaçao früh brechen, dürfen aber nicht offenlegen, wie viel wir noch in der Hinterhand haben.“

Die Frage ist nicht, ob Deutschland gewinnt. Die Frage ist, wie überzeugend. Ein 1:0 wäre ein Sieg, aber kein Segen. Ein 4:0 würde die Zweifler verstummen lassen und die Tabellenrechner schon mal für das Achtelfinale schwitzen. Die Stimmung im Lager ist gut – trotz des strohigen Rasens. Jetzt muss sie auf dem Platz halten. Houston wartet. Die Welt wartet. Und die Statistik lacht nicht über zweite Plätze.