Berliner ringbahn: fußballfieber trifft auf alltagsroutine

Die Berliner Ringbahn – ein Symbol der Stadt, ein Nervenzentrum des Pendlerverkehrs. Doch was, wenn man mitten im WM-Fieber in eine S-Bahn einsteigt, in der Fußball nirgends zu spüren ist? Ein Bericht aus der grauen Masse, weitab vom Public Viewing.

Zwischen bürokratie und fußballfrust

Zwischen bürokratie und fußballfrust

Als Sven Regener, der Mann, der einst auf der Autobahn nach dem WM-Finale nach leeren Straßen suchte, hätte er sich vermutlich auch in der Berliner Ringbahn wohlgefühlt. Denn hier, inmitten der Abenddämmerung, weit entfernt von den jubelnden Menschenmassen, herrschte eine fast gespenstische Stille. Um 21:40 Uhr, kurz vor dem dritten deutschen Vorrundenspiel gegen Ecuador, stieg ich ein – und fand eine Welt, in der Fußball ein Fremdwort zu sein schien.

Die S42 rollte dahin, gut gefüllt und gekühlt, doch ohne jegliche Spur von Fußballbegeisterung. Die Fahrgäste schienen in ihren eigenen Welten gefangen, beschäftigt mit Gesprächen über finnische Bürokratie oder einfach nur dem Weg nach Hause. Das 1:0 durch Leroy Sané schien ungehört im Äther zu verhallen.

Ein ungewöhnlicher Kontrast. Während draußen die Stadien bebten und die Fernsehbildschirme rot leuchteten, herrschte im Zug eine Totenruhe, die fast schon unheimlich war. Hussein, ein Passagier aus Pakistan, und zwei Teenager schufen kurzzeitig eine herzliche Atmosphäre, doch das Spiel blieb ein Nebenschauplatz.

Die Musik des Moments, „Der Zug hat keine Bremse“, wurde im Imbiss an der Eberswalder Straße gespielt, während der VAR in den USA einen deutschen Treffer zurücknahm. Ein ironischer Moment, der die Diskrepanz zwischen der WM-Realität und der Alltagswirklichkeit in der Ringbahn verdeutlichte.

Die Party-Tram, die M10, bot am Abend keine Tanzfläche, sondern eine gespenstische Stille. Die Menschen schienen lieber in ihren Gedanken versunken, als sich dem WM-Fieber hinzugeben. Es war, als ob sie sich bewusst waren, dass die wahre Welt außerhalb dieser Bahnen lag.

Die Berliner Ringbahn, ein Ort der Normalität, ein Spiegelbild des Alltags. Ein Ort, an dem das Fußballfieber an der Oberfläche kratzt, aber nicht in die Tiefen eindringt. Ein Ort, der uns daran erinnert, dass es auch außerhalb der großen Ereignisse ein Leben gibt – ein ruhiges, beschauliches Leben, das seinen eigenen Reiz hat.