Berliner fußballverband bricht schweigen: transparenz bei gewaltfällen
Ein Novum im deutschen Sport: Der Berliner Fußballverband (BFV) macht erstmals die Anzahl der Hilfegesuche im Zusammenhang mit physischer, psychischer und sexualisierter Gewalt öffentlich. Diese Entscheidung, die viele Landesverbände zögern, könnte ein Wendepunkt im Kampf gegen Missbrauch im Fußball sein.
Die erschreckenden zahlen der meldungen
Laut BFV wurden im Jahr 2026 insgesamt 41 Hilfegesuche im Bereich des Berliner Fußballs registriert. Diese Zahl ist nicht nur alarmierend, sondern verdeutlicht auch das Ausmaß des Problems, das lange Zeit im Verborgenen blieb. Von den gemeldeten Fällen betrafen acht sexualisierte Gewalt, während die Mehrheit von psychischer Gewalt geprägt war. Ein Einzelfall betraf Gewalt unter Spielern, während in anderen Fällen es um Vernachlässigung ging – beispielsweise durch betrunkene Trainer.

Hertha zehlendorf macht den anfang: ein vorbild für andere vereine
Der Fußballverein FC Hertha 03 Zehlendorf hat mit einem mutigen Akt die Debatte angestoßen. Mit der Unterstützung des BFV wurde ein umfassendes Schutzkonzept entwickelt, an dem Kinder, Eltern, Trainer und die Vereinsführung gemeinsam beteiligt waren. Die Aktion, bei der Kinder mit Plakaten auf Missbrauchsfälle aufmerksam machten, unterstreicht die Notwendigkeit, Betroffenen Gehör zu schenken und eine Kultur des Vertrauens zu schaffen. Die Erfahrungen von Hertha Zehlendorf sollen nun anderen Vereinen als Leitfaden dienen.

Warum transparenz so wichtig ist
Rowena Yorat, ehrenamtliche Kinderschutzbeauftragte des BFV, betont die Bedeutung der Offenlegung der Zahlen: „Die Gesellschaft muss das wissen.“ Ihre Aussage unterstreicht, dass Transparenz nicht nur ein Zeichen der Ehrlichkeit ist, sondern auch potenzielle Täter abschreckt. Yorat, selbst Betroffene von sexualisierter Gewalt, setzt sich leidenschaftlich für den Schutz von Kindern im Sport ein.

Die herausforderungen und der weg vor uns
Trotz des mutigen Schritts des BFV bleiben Herausforderungen bestehen. Viele Vereine verfügen noch nicht über ausreichende Ressourcen, um Schutzkonzepte umzusetzen. Bettina Rulofs, Expertin für interpersonale Gewalt im Sport, fordert ein systematisches Reporting und eine transparente Netzwerkarbeit zwischen den Landesverbänden. Die Datenschutzbestimmungen dürfen dabei nicht zum Hindernis werden. Der BFV hat mit seiner Initiative den ersten Schritt getan – nun gilt es, das Momentum zu nutzen und eine Kultur des Schutzes im deutschen Fußball zu etablieren. Die Zahl von 41 gemeldeten Fällen mag gering erscheinen angesichts von 240.000 Mitgliedschaften in Berlin, doch Nadine Dobler von „Anlauf gegen Gewalt“ mahnt: „Wie viele Kinder müssen Missbrauch erfahren, damit es relevant wird?“
