Berlin dreht auf: 60 prozent wollen olympia zurück in die hauptstadt
Berlin ist bereit. 60 Prozent der Wahlberechtigten können sich laut einer neuen Dimap-Umfrage Olympische und Paralympische Spiele in ihrer Stadt vorstellen – ein Schwenk, der Politik und Sportfunktionäre gleichermaßen aufhorchen lässt. 38 Prozent sagen klar „ja“, weitere 22 Prozent „eher ja“. Die Gegner bleiben in der Minderheit: 34 Prozent lehnen das Megaevent ab oder zögern.
Die wende nach der civey-studie
Nur vier Monate lag die Verweigerung noch bei 67 Prozent. Was passierte? Kai Wegner (CDU) und sein Team zogen los, um Kiez für Kiez das Gespräch zu suchen. Das Bürgerforum, die Online-Beteiligung, die geplante „Bürgercharta“ – alles Instrumente, um Skepsis in Neugier zu wandeln. Der Regierende Bürgermeister zieht Bilanz: „Die Zahlen bestärken uns, nachhaltige, moderne und inklusive Spiele auf die Agenda zu setzen.“
Das Prozedere ist straff. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheidet im September, welche Stadt nach 2036, 2040 oder 2044 die Fahne Deutschlands in den Ring trägt. München, Hamburg, Rhein-Ruhr – alle buhlen um die gleichen Milliarden-Investitionen. Berlin hat nun den Rückenwind der eigenen Bevölkerung. Ein Argument, das zählt.

Kein bürgerentscheid, aber volksnähe
Anders als in Bayern droht Berlin kein verfassungsrechtliches Vetorecht. Dennoch wählte der Senat den Weg der Einbindung – aus Überzeugung, nicht aus Zwang. Die Veranstaltungsreihe läuft weiter, digitale Plattformen sammeln bis Sommer weitere Ideen. Der Preis? Offiziell noch ungenannt. Doch schon jetzt zeigt sich: Die Debatte verändert die Stadt. Sportvereine, Wirtschaft, Klimaverbände – alle wollen an der Rohfassung der Anträge mitmischen.
Die Skeptiker warnen vor Kostenexplosionen und Verkehrsinfarkten. Die Befürworter verweisen auf neue Nachhaltigkeitsstandards und ein bebautes Erbe, das endlich wieder erstrahlen könnte. Olympiastadion, Messe, Olympiapark – viele Anlagen stehen, sie warten nur auf ein Update.
Für Berlin geht es um mehr als Sport. Es geht um Image, Milliardeninvestitionen, Arbeitsplätze – und um die Frage, ob die Hauptstadt nach drei gescheiterten Anläufen 2000, 2012 und 2018 endlich den Zuschlag erhält. Die neue Umfrage liefert den emotionalen Schub, den die Bewerbung braucht. Die Fakten muss der Senat bis September liefern. Der Countdown läuft.
