Berisha erleidet erneute oberschenkel-sehnen-pleite – lecce muss auf zehn verzichten

Medon Berisha wird 2024 nicht mehr auflaufen. Der Spielmacher von Lecce riss sich beim behüteten Training am Samstag das Reflexband des rechten Musculus rectus femoris – ein neuer Schlag für den Albaner, der seit Dezember ohnehin nur humpelnd an der Seitenlinie stand.

Zehn minuten aufwärmjogging, dann der knall

Die Diagnose bestätigte sich am Sonntag im MRT: Abriss des Sehnenansatzes, nicht einmal in der alten Wunde, sondern ein paar Zentimeter weiter distal. Der Klub spricht von „völlig separater Schadenszone“, die Mediziner nennen es eine Zwei-Fehler-Konstellation, die Profis nur „Doppelschlag“. Die Saison ist damit gelaufen, egal, wie die weitere Therapie verläuft.

Bereits am Mittwoch fliegt Berisha nach Finnland, wo ein Spezialistenteam um Dr. Lasse Lempainen entscheiden wird, ob eine Operation nötig ist. Die Fristen liegen bei vier Monaten konservativ versus sechs Monate post-operativ – beide Szenarien katapultieren den 23-Jährigen weit über den Saisonendstrich hinaus.

Für Lecce bedeutet das personelle Rätsel im zentralen Mittelfeld. Trainer Marco Baroni verlor mit Berisha den einzigen Spieler, der im offiziellen Kader als „trequartista“ geführt wird und gleichzeitig die nötigen Ballstafetten in die Spitze bringt. Die Alternativen: der defensive Workhorse Morten Hjulmand oder die Rohkost-Variante mit Joan González, bisher eher Sechser denn Kreativmotor.

Verletzungszahlen league-weit auf rekordkurs

Verletzungszahlen league-weit auf rekordkurs

Die Serie A zählt in dieser Spielzeit bereits 86 Muskelverletzungen mit Ausfallzeiten über 30 Tagen – ein Plus von 23 Prozent zum Vorjahr. Sportwissenschaftler führen das auf die komprimierte Kalender-Dichte zurück: Weltmeisterschaft im Winter, Play-offs im Sommer, dazwischen keine echten Erholungsfenster. Berisha passt ins Raster: zweimaliger Bänderriss, zweimal Reha-Start, null Wettkampfminuten seit dem 3. Dezember.

Der Klub reagierte umgehend und stellte am Montag einen zweiten Athletik-Coach ein. Doch das ist Kurieren am Symptom. Die wahre Frage lautet: Wer übernimmt künftig die Ballsicherheit im letzten Drittel? Ohne Berishas Line-breaking-Pässe droht Lecce, das mit 27 Treffern eine der schwächsten Offensiven der Liga stellt, weiter im Tabellenkeller zu versinken.

Am Sonntag wartet Auswärtsspiel in Bergamo. Die Buchmacher korrigierten die Aufstiegschancen der Apulier sofort nach unten – ein klares Indiz dafür, wie sehr die Fangemeinde die Nachricht aufgenommen hat. Für Berisha heißt es nun: erst mal Helsinki, dann Monate Reha, danach ein Neuanfang. Die Uhr tickt, der Klassenkampf auch.