Berger trifft, kuske verzweifelt: bensheim wirft sich ins pokalfinale

Stuttgart – 60 Minuten war Amelie Berger kaum aufgefallen. Dann stand sie sieben Meter vor Laura Kuske, atmete zweimal tief durch und schmetterte den HSG Bensheim/Auerbach mit einem Kaltstart ins Finale des DHB-Pokal. 36:34 nach Verlängerung gegen den Thüringer HC, 7. Mai 2025, ein Datum, das sich in der DNA der Flames brennen wird.

Die unbeliebte wird zur matchwinnerin

„Ich bin nämlich nicht so der liebste Siebenmeter-Werfer“, sagte Berger ins Mikro von DF1 und klang, als hätte sie eben jemand anderem die Kugel aus dem Revolver genommen. Die 24-jährige Außenspielerin hatte bis dahin 48 Sekunden Spielzeit in der Verlängerung, nicht mehr. Dann sprang Vanessa Fehr – von Freunden nur „Schoki“ genannt – Kuczora den Ball weg, Coach Martin Schulze zog die Notbremse, zeigte auf Berger. „Da muss man vorangehen“, sagte sie, „mehr Psychologie steckt nicht dahinter.“

Die Psychologie kam danach. Kuske, die im THC-Gehäuse sonst alles wegfasst, ahnte, dass Berger hoch ansetzen würde. Sie ging mit, aber zu spät. Kreuzband, 74 km/h, oben rechts. Die HSG bankte, der THC brach kurz zusammen. Silje Brøns warf den letzten Gegenstoß ins Leere, Schlusspfiff, 36:34.

Kuske zählt fehler, nicht paraden

Kuske zählt fehler, nicht paraden

Laura Kuske stand lange nach dem Abpfiff auf dem Kniestütz in der Mitte des Feldes und starrte auf ihre Handschuhe, als suchte sie eine Erklärung zwischen den Nahtstellen. „Wir haben zu viele technische Fehler gemacht, vor allem in der ersten Hälfte der Verlängerung“, sagte sie und sprach die Wahrheit aus, die Statistik bestätigt: 14 Ballverluste, sieben davon in der 2×3-Minuten-Zusatzzeit. „Die Fans haben eine super Stimmung gemacht, trotzdem war es am Ende nicht genug.“

Für den THC bleibt das kleine Finale am Sonntag gegen den Verlierer des zweiten Halbfinals. Bronze wäre die kleine Konsole, doch der Kurs Richtung Europapokal ist ohne Titel schon gesetzt. Die Frage lautet nun, wie tief die Enttäuschung sitzt.

Bensheim träumt vom ersten pokalsieg seit 1998

Bensheim träumt vom ersten pokalsieg seit 1998

Im Lager der HSG tobte dagegen die Party, die sich bis in die frühen Morgenstunden ziehen wird. „Wir haben heute gelernt, dass wir auch dann gewinnen können, wenn wir 50 Minuten lang nicht gut sind“, sagte Kapitänin Ines Ivandić. Der Gegner im Finale kommt aus dem zweiten Halbspiel, doch egal, ob Buxtehude oder Oldenburg: Die Flames haben den Schwung, sie haben Berger, und sie haben nichts mehr zu verlieren.

Für Laura Kuske bleibt die Erkenntnis, dass selbst eine Weltklasse-Torhüterin siebenmeterbereit sein muss. Für Amelie Berger die Gewissheit, dass man sich selbst manchmal einfach an die Stirn nageln muss. Und für den Thüringer HC die nächste Chance, am Sonntag um 13:30 Uhr, um zumindest das Podest nicht ganz zu räumen. Die Uhr tickt. Die Saison auch.