Beraldo rast mit busquets-vergleich auf: jetzt soll er bayern stoppen
Lucas Beraldo war gegen Angers SCO plötzlich der Mann, auf den alle blickten – und das als Notlösung. Der Innenverteidiger spielte seine vierte Partie in Serie als alleiniger Sechser, traf per Kopf, legte das 2:0 mustergültig auf und katapultierte sich damit in ein Champions-League-Duell, das niemand ihm zugetraut hatte.
Enrique bricht mit dogma – und lacht
„Er ist der Mann des Spiels. Er hat alles richtig gemacht“, sagte Luis Enrique nach dem 3:0 und schmunzelte, als er den Namen Sergio Busquets fallen ließ. Der Vergleich ist kein Zufall. Der Coach lobte, wie Beraldo mit „einem oder zwei Kontakten“ jede Situation bereinige – eine Eigenschaft, die er sonst nur bei gelernten Ballverteilern sieht. Dass er dafür einen Abwehrmann umfunktioniert, bricht dessen eigenem Dogma: „Normalerweise ziehe ich einen Offensiven zurück.“
Die Zahlen sprechen für den 22-jährigen Brasilianer: 94 % Passquote, sieben Ballgewinne im Mittelfeld, zwei Torgefährliche Vorlagen – und ein Tor, das er selbst per Kopf abschloss. „Mein bestes Spiel für Paris? Vielleicht“, sagte Beraldo bescheiden. Die Rolle als Sechser verschaffe ihm „mehr Rotationen und Freiheiten im Aufbau“, erklärt er. Das klingt nach jemandem, der die Position nicht nur stopgt, sondern versteht.

Bayern droht dieselbe überraschung
Am Dienstag gastiert der FC Bayern im Halbfinale der Champions League in der Hauptstadt. Die Münchner bereiten sich auf Dembelé, auf Mbappé, auf Vitinha vor – aber auf einen brasilianischen Innenverteidiger im defensiven Mittelfeld? Beraldo ist der Joker, den Thomas Tuchel auf dem Zettel hatte, den er aber nicht wirklich einkreisen kann.
Die personelle Misere bei PSG – Ugarte gesperrt, Fabian Ruiz angeschlagen – könnte zur Stärke werden. Beraldo bietet mehr Größe gegen Kane’s Zonen, mehr Tempo im Pressing und eine linke Spielöffnung, die Upamecano und Kim bislang kaum sahen. Wenn er auch gegen Goretzka und Laimer die gleiche Ruhe bewahrt, verwandelt sich eine Notlösung in eine Taktikwaffe.
Paris gewinnt Auswärtsspiele souverän, hat in der Liga 34 Punkte aus den letzten 36 geholt. Doch die Königsklasse frisst Statistiken zum Frühstück. Die Frage ist nicht mehr, ob Beraldo spielt – sondern ob Bayern eine Antwort auf ihn findet.
