Benaglio springt in wolfsburgs krisen-manager-loch – vom kasten auf den chefsessel

Die Wolfsburg-Maschine stottert, der Abstieg droht – da holt der VfL einen echten Europapokal-Helden zurück aufs Parkett. Diego Benaglio tauscht Anzug gegen Trainingsjacke und übernimmt mit sofortiger Wirkung die Geschäfte des geschassten Peter Christiansen. Kein Interims-Gag, sondern ein Power-Move des Aufsichtsrats, wie Sebastian Rudolph am Montagmittag mit eiserner Miene verkündete.

Warum ausgerechnet der ex-keeper?

321 Pflichtspiele, Meister 2009, Pokalsieger 2015 – Benaglios Vita als Spieler ist ein Kompass für Erfolg. Rudolph packt es nüchtern: „Wir brauchen jemanden, der die Kabine kennt, die Liga riecht und trotzdem genug Distanz hat, um knallharte Entscheidungen zu treffen.“ Übersetzt: Der 42-jährige Schweizer soll zwischen TrainerDieter Hecking, Sportdirektor Pirmin Schwegler und einer verunsicherten Mannschaft schalten und walten – und das bis zum letzten Spieltag. Parallel behält er seinen Aufsichtsrat-Sitz, eine Doppelfunktion, die in der Bundesliga selten ist, hier aber als Notnagel gilt.

Die Zahlen sind brutal: Platz 17, vier Zähler bis zur Rettung, nur zwei Siege aus den letzten 13 Partien. Christiansen und Coach Daniel Bauer mussten am Sonntag gehen, weil die sportliche Talfahrt keinen Schönheitsfehler mehr ist, sondern eine Existenzfrage. Benaglio bekommt jetzt 35 Tage, um die Trendwende zu schaffen – oder zumindest die Katastrophe zu managen.

Ein machtpoker mit zeitbegrenzung

Ein machtpoker mit zeitbegrenzung

Intern heißt es, Benaglio habe sich sofort bereit erklärt, aber nur unter der Klarstellung, dass er im Sommer zurück in den Aufsichtsrat wechselt, falls ein externer Manager gefunden wird. Keine Dauerlösung, sondern ein befristeter Befreiungsschlag. Das Signal an die Mannschaft: Alte Helden stehen auf, wenn es brennt. Rudolphs Satz dazu: „Wir wollen Emotionen, aber keine Hysterie.“

Für Benaglio beginnt ein Crashkurs in Krisenkommunikation. Er war schon als Spieler kein Lautsprecher, sondern ein Stiller im Hintergrund. Jetzt muss er Verträge verhandeln, Personalentscheidungen treffen und vor allem die Stimmung im Stadion umdrehen. Die Fans ehren ihn noch immer für sein Halbfinale-Tor gegen Manchester United 2009 – ob das reicht, wenn am 34. Spieltag die Klasse feststeht, wird sich zeigen.

Die Uhr tickt. Der VfL spielt am Samstag in Bochum, ein Sechs-Punkte-Spiel im wahrsten Sinne. Benaglio sitzt dann nicht mehr im VIP-Rang, sondern an der Seitenlinie, wo früher der Torwarttrainer stand. Die Frage ist nicht, ob er den Druck kennt – sondern ob er ihn in Punkte verwandeln kann.