Jamie delgado zieht den mythos der big four in zweifel: „damals war das niveau höher“
Die Tenniswelt jubelt über Jannik Sinner und Carlos Alcaraz, doch Jamie Delgado hält dagegen. Der frühere Murray-Trainer sagt: Die neue Spitze ist spektakulär, aber nicht so unantastbar wie Federer, Nadal, Djokovic und Murray vor zehn Jahren.
Die neue ära ist glanzvoll, aber nicht gefährlicher
Delgado sprach im Podcast „Off Court“ mit Greg Rusedski. Er lobt: „Jannik und Carlos sind unglaublich. Sie könnten mit den Big Four mithalten.“ Doch dann kommt das große Aber. Die Top-Ten vor einem Jahrzehnt war seiner Erfahrung nach stärker. „Wir hatten Del Potro, Wawrinka, Berdych. Die konnten jeden schlagen, auch in Viertel- und Halbfinale.“ Heute sei die Breite besser, die Spitze aber weniger scharf.
Die Zahl, die ihm recht gibt: Seit neun Grand Slams steht nur noch Sinner oder Alcaraz im Siegerfoto. Doch um diese Serie zu brechen, reichte selbst Djokovic nur für einen einzigen Sieg – bei den Australian Open 2026 gegen Sinner im Halbfinale. Im Finale schlug Alcaraz zurück und nahm dem Serben sogar die Nummer-eins-Krone.

Die 30-50-regel zeigt den wahren wandel
Delgado zeigt auf, was oft übersehen wird: „Ein Spieler auf Rang 40 ist heute besser als je zuvor. Jedes Match ist von der ersten Runde an ein Kampf.“ Doch eben deshalb sei das Viertelfinale früher gefährlicher. Die Konstellation: früher mehr Kanonen in den Top 15, heute mehr Gewehrfeuer in den Top 50. Die Konsequenz: Sinner und Alcaraz müssen früher ans Limit, aber später erst richtig zittern.
Die britische Insider-Perspektive hat Gewicht. Delgado war Murrays Seemann an Deck, als der Schotte 2016 die Weltrangliste anführte. Er war auch Dimitrovs Coach, als Sinner in Wimbledon 2021 an der Kante stand, ehe der Bulgare verletzt aufgab. Diese Nähe macht seine Einschätzung brisanter als jede Statistik.
Die Botschaft: Die Big Two sind Showmonster, aber noch keine Sicherheitsfirma wie die Big Four. Wer das nicht glaubt, sollte die Next-Gen-Finale anschauen – und dann die alten Wimbledon-Klassiker von 2008 bis 2014. Das Niveau war höher, die Schläge härter, die Überraschungen wahrscheinlicher. Sinner und Alcaraz dominieren, weil sie brillant sind – und weil hinter ihnen gerade kein Wawrinka mit explosiver Vorhand lauert.
