Bellingham bleibt auf der bank – ancelottis pokerspiel droht zu platzen

Jude Bellingham saß. Und mit ihm die Hoffnung, dass Real Madrid im Bernabéu früher aufwacht. Stattdessen schlichen Valverde und Thiago Pitarch durchs Mittelfeld, zwei Schatten ihrer selbst, während Bayern’s Zweikampfmaschinen Olise und Musiala das Tempo diktierten. Die 0:2-Pleite schmeckt nach verpasster Halbzeit.

Arbeloa hatte den plan noch offengelegt

„Wir sind besser mit Jude“, hatte Miguel Ángel Arbeloa noch am Vortag in der Pressetribüne versichert. Minuten würde er bekommen, ob von Anfang an, ließ der Assistent offen. Am Ende kam Bellingham erst zur Pause – und bewies binnen Sekunden, warum sein Zögern ein Luxus ist, den Real sich nicht leisten kann. Ein Steilpass auf Mbappé, ein Umschaltmoment, das Stadion erwachte. Zu spät.

Die Statistik ist gnadenlos: Ohne Bellingham in der Startelf kassierte Madrid in den letzten fünf Europapokal-Partien vier Niederlagen. Die Ballgewinnquote in der eigenen Hälfte stieg gestern nach seiner Einwechslung um 18 Prozent. Die Probleme lagen woanders: Pitarch verlor 9 von 12 Zweikämpfen, Valverde passte 34 Mal nach hinten – ein Rekord in seiner Champions-League-Karriere.

Militao und mendy – die letzten rettungsanker

Militao und mendy – die letzten rettungsanker

Éder Militao war ebenfalls nur Joker, doch seine Robustheit gibt ancelotti Rätsel auf. Huijsen wurde von Kane und Olise in Grund und Boden gespielt, die 0:2-Defensive wackelte bei jeden langen Ball. Für das Rückspiel in der Allianz Arena droht dem Brasilianer der Einsatz – wegen Adduktorenproblemen. Ferland Mendy meldete sich zumindest zurück: Erstmals seit dem 9. März trainierte der Franzose wieder mit der Gruppe. Seine Schnelligkeit könnte Neuer und Co. nervös machen, doch ein Einsatz nach sieben Wochen Pause ist ein Wagnis.

Die Rechnung ist simpel: Real braucht mindestens zwei Tore, ohne zu kassieren. In München schaffte das zuletzt 2018 kein spanisches Team. Bellingham dürfte von Beginn an ran – alles andere wäre Selbstmord. Die Liga ist abgehakt, die Königsklasse der letzte Strohhalm. ancelotti muss jetzt pokern, aber er darf nicht erneut auf die falsche Karte setzen.

Am Mittwoch um 21:00 Uhr steht Madrid mit dem Rücken zur Wand. Keine Zeit für Experimente – nur Bellinghams Zug zum Tor kann die Bayern-Defensive noch zittern lassen. Alles andere wäre ein Nachspiel ohne Happy End.