Belinelli packt aus: 87 minuten nba-wahnsinn, ein ring und kein zurück
Marco Belinelli hat die Halle verlassen, der Film läuft weiter. 87 Minuten, kein Schnitt, ein einziger Sprint von San Giovanni in Persiceto bis zum Larry-O'Brien-Trophy. «The Basketball Dream» heißt das Dokument, das ab 16. März für drei Tage nur in die Kinos kommt – und danach wohl nie wieder. Denn was der erste italienische NBA-Champ erzählt, ist kein Rückblick, sondern eine Abrechnung.
Ein ring, null kompromisse
2014 trägt er das Trikot der San Antonio Spurs, schießt sich in der Nacht des Three-Point-Contests durch die Stars und landet am Ende mit dem ersten Titel eines Azzurro in der Geschichte der Liga. «Die wollten mich heimschicken, ich bin ein paar Meter weitergerannt», sagt Belinelli im Film. Regisseur Giorgio Testi lässt diese Szenen ohne Kommentar laufen – das Klappern der Trainingsuhren auf dem Feld reicht als Soundtrack. Drei Jahre später sitzt er mit 38,1 % Dreierquote auf der Bank der Philadelphia 76ers, spielt 13 NBA-Saisons am Stück und sagt trotzdem: «Ich habe nie das Gefühl, angekommen zu sein.»
Das Dokument verzichtet auf Spielzusammenschnitte. Stattdessen folgt der Ball dem Blick seiner Mutter, dann dem seines Bruders, dann dem seines langjährigen Coaches Marco Sanguettoli, der ihm Sommer für Sommer die Treffer abverlangt. Zwischen den Interviews schaltet Zippel auf private Handyvideos: Belinelli tanzt in der Küche von Toronto, Bargnani wirft ihm Chipstüten zu, Gallinari lacht sich schief. «Wir waren Kinder mit Millionenverträgen», sagt Belinelli. «Heute wollen die Kids nur Follower.»

Kein 3×3, kein trainer, kein plan b
Die Idee eines italienischen Dream-Teams im 3×3-Format mit ihm, Bargnani und Gallinari lässt er platzen, bevor sie Fahrt aufnimmt. «Ich habe alles gegeben. Und bald bin ich 40.» Am 25. März wird er die Vier vor der Tür machen. Was danach kommt? «Keine Bank, keine Clipboard. Ich will meine Kinder vom Schulhof abholen und endlich in Ruhe Pizza essen.»
Die letzte Einstellung zeigt ihn auf dem Sofa von Fortitudo Bologna. Er hat für beide Stadtrivalen gespielt – Virtus und Fortitudo – und deshalb «keine Groll mehr, nur Erinnerungen». Dann schwenkt die Kamera auf den Parkplatz. Ein silberner Audi, Kindersitze im Fond, kein Security-Mann in Sicht. Die Lampe über dem Eingang flackert, Belinelli zieht die Kapuze hoch, der Regisseur ruft «Cut». Der erste italienische NBA-Champion verschwindet im Dunkeln – diesmal ohne Zeitnahme, ohne Verlängerung, endgültig.
