Belgien startet mit rückkehr von courtois – goldene generation im verfallsstadium?

Die „Roten Teufel“ wollen in Seattle die letzte große Röstung servieren, doch der Duft von 2018 ist verflogen. Erstmals seit der WM in Russland haben sie eine Gruppe, die man ohne Pathos als machbar bezeichnen darf – und trotzdem riecht die Mission nach Verzweiflungstat.

Neue truppe, alte last

Rudi García hat Thibaut Courtois zurückgeholt, als wäre ein Weltklassetorhüter ein Sechser im Lotto. Dahinter wirkt die Abwehr wie ein IKEA-Regal ohne Anleitung. Kevin De Bruyne trägt das Spielgerät noch immer so elegant wie ein Koffer voller Kristall, aber das Mittelfeld um Tielemans und Vanaken wirkt plötzlich dünn, fast geizig.

Vorne blitzt Romelu Lukaku, flankiert von Trossard und Doku – Tempo, Trick, Zweikampf. Das Problem: Wenn hinten jeder Konter wie ein offener Fahrplan aussieht, bringt dir ein Ferrari im Sturm wenig. Belgien braucht dringend Balance, sonst wird aus dem Traum vom Titel schnell eine Farce.

Gruppe g: punktegeschenke oder pulverfass?

Gruppe g: punktegeschenke oder pulverfass?

Vier Teams, je ein Punkt – die Tabelle nach Spieltag eins sieht aus wie ein stillgelegtes Kreisverkehrsschild. Ägypten hat Mo Salah, vielleicht seine letzte WM, und dazu Marmoush, der beim FCZ seine Spitzenform versteckt. Die „Pharaonen“ können Cups gewinnen, aber auf der Weltbühne wirken sie wie ein Theaterstück ohne dritten Akt.

Iran reist mit politischem Rückenwind und Taremi als einzigem echten Torjäger. Azmoun und Jahanbakhsh blieben in Europa Stückwerk – genug, um Neuseeland zu ärgern, aber nicht, um Belgien in die Knie zu zwingen.

Das sagt ohnehin alles über Neuseeland: Chris Wood rührt im Nottingham-Forest-Strafraum die Suppe, während die restliche Truppe aus der heimischen A-League stammt. Ein Punkt wäre Heldenmythos, zwei wären schon Epik.

Der plan von garcía: schnell, klinisch, ohne nostalgie

Der plan von garcía: schnell, klinisch, ohne nostalgie

Gegen Ägypten reichte ein spätes Kopfballduell zum 1:1, gegen Iran muss das Tempo früher kommen. Die Marschroute lautet: frühes 3-4-3, Doku auf links, Trossard als falsche Neun, Lukaku nur noch im Zentrum. Courtois soll hinten die Ruhe verbreiten, die sein Abwehrverbund offenbar verlernt hat.

Die Frage bleibt: reicht das Talent, das übrig ist, noch für einen Lauf ins Halbfinale? Oder bleibt Belgien das ewige Versprechen, das nie einlöst – diesmal mit einem Trainer, der ausgerechnet in Seattle die Rechnung präsentieren muss?

Am 26. Juni in Vancouver steht die Antwort fest. Bis dahin müssen die Teufel beweisen, dass ihre goldene Generation nicht längst zu Rost verkommen ist.