Titia sticht bribon und fliegt nach genf – ein historischer sieg auf der 6-meter-klasse
Mauricio Sánchez-Bella schlägt zu. Der spanische Routinier steuert sein Titia zum ersten Mal in dieser Saison an die Spitze und lässt Jane Abascal, Olympia-Medaillengewinnerin am Ruder von Bribon, erstmals alt aussehen. Die Welle, die er damit auslöst, rollt direkt in Richtung Schweiz.
Das duell der giganten
Der Gestade von Baiona war kaum wiederzuerkennen. Windstärke vier, ein messerscharfer Bugwinkel und ein Gegner, der seit zwei Jahren die europäische 6-Meter-Klasse dominiert – alles Zutaten für ein Drama. Sánchez-Bella nutzte jede Böe, presste sein Titia in die Luvposition und zog auf der ersten Luvtonne mit zwei Bootslängen davon. Abascal konterte, verlor jedoch am Leegatt-Kreuz die Kontrolle übers Großsegel. Die Differenz: 1:34 Minuten nach zwei Stunden und 17 Minuten Rennzeit.
Dahinter kämpfte das Alibaba II vom Monte Real Club de Yates um den dritten Rang, sicherte sich aber nur den Ehrenplatz. Die wahren Gewinner stehen jetzt vor dem Flug nach Genf.

Genf ruft – und spanien sendet seine elite
In drei Wochen trifft sich die europäische Crème de la Crème auf dem Genfersee, und niemand reist mit größerem Druck als Jane Abascal. Sie verteidigt den Europameistertitel, den sie 2024 in Hyères holte. Sánchez-Bella hingegen trägt zwei Silberpokale im Gepäck: den Sieg beim Trofeo Xacobeo und die Vizeweltmeisterschaft, die er im September vor Manhattans Skyline holte.
Die Zahlen sprechen Bände: In den vergangenen 15 europäischen Regatten dominierte Bribon zwölf Mal das Feld. Titia gewann zweimal, beide Male, wenn der Wind oberhalb von 14 Knoten blies. Genf im Juli? Statistisch 16 Knoten Durchschnitt. Die Chancen stehen 50:50.

J/80: cactus digital pulverisiert das feld
Während die 6-Meter-Klasse noch den Atem anhält, feierte im Nebenkessel die J/80-Armada einen neuen König. Jaime Barreiro steuerte Cactus Digital-Petrilla des Club Náutico de Portonovo zur perfekten Serie – sechs Läufe, sechs Siege. Moura vom Club Náutico Marina Coruña, Letztjähriger Gesamtsieger, wurde regelrecht zerlegt: 7:32 Minuten Rückstand auf der Langstrecke, ein Debakel für Skipper Carlos Paz.
Adrián Domínguez mit seinem One krallte sich noch den dritten Podestplatz, doch die Diskussion drehte sich nur um Barreiro. „Der Mann segelt als wäre sein Boot mit Raketentreibstoff gefüllt“, flüsterte ein Regattarichter am Steg. Die Wahrheit ist simpler: Barreiro setzt seit Winter auf ein neues Tuchlayout und ein 3D-gedrucktes Großsegelprofil. Die Investition: 11.200 Euro. Der Ertrag: dreifache Punkteausbeute gegenüber 2025.
Was diese ergebnisse bedeuten
Spanien schickt eine Flotte nach Genf, die in beiden Klassen Favoritenstatus beansprucht. Sánchez-Bella gegen Abascal wird zur Neuauflage des David-gegen-Goliath-Duells, Barreiro reist als unschlagbarer J/80-Mastermind. Die Schweizer Behörden bereiten sich bereits auf ein Event vor, das die Postkartenfassade des Genfersees ins Schwanken bringen könnte.
Die Anmeldung für die 6-Meter-Europameisterschaft schließt am 8. Juli. Bis dahin dürfte das Titia in den Werften von Baiona jede noch so kleine Verbesserung erhalten, während Bribon mit neuen Carbonwanten bestückt wird. Eines ist klar: wer in Genf gewinnt, segelt nicht nur mit Pokalen heim, sondern mit einem Ticket für die Weltmeisterschaft 2027 in Newport. Der Countdown läuft.
