Becker glaubt: zverevs mutige wende kommt zum perfekten zeitpunkt

Boris Becker hat die Karten neu gemischt. Statt auf Sicherheit setzt der zweifache Wimbledon-Sieger jetzt auf pure Attacke – und meint damit nicht sich selbst, sondern Alexander Zverev. Der Hamburger spielt plötzlich wie ein Sprinter, der den Zielstrich riechen kann: druckvoll, risikobereit, mit Netzangriffen, die an die 90er erinnern.

Der satz, der durch die tenniswelt geht

„Mir geht das Herz auf“, sagte Becker im Podcast mit Andrea Petkovic. „Er spielt offensiv. Er steht im Feld. Er geht ans Netz. Er spielt mal Serve-and-Volley. So kann ein Sascha Zverev, mit dieser Spielweise und Einstellung, auch bald ein Grand-Slam-Turnier gewinnen. Ich bin überzeugt.“

Die Worte klingen nicht wie ein Kompliment, sondern wie eine Kampfansage. Becker, der selbst mit 17 Jahren die Tenniswelle ritt, weiß, wie selten solche Wenden gelingen. Dass Zverev sie wagt, mit 29, nach einer Karriere, in der viele ihn als defensiven Baseline-Spieler abgestempelt hatten, nennt Becker „mutig“.

Die Zahlen sprechen mit. In Indian Wells und Miami scheiterte Zverev zwar jeweils im Halbfinale an Jannik Sinner, doch vorher schaltete er Gegner aus, die früher seine Angstgegner waren. Die Vorhand flog nicht mehr nur tief ins Feld, sondern knallte auf die Linien. Der Aufschlag wurde zum Aufputsch. Und das Netz? Früher ein Fremdkörper, jetzt eine Waffe.

Warum jetzt, warum er?

Warum jetzt, warum er?

Becker liefert die Antwort gleich mit: „Die erste Hälfte seiner Karriere ist vorbei. Die meisten legen sich dann zurück. Er versucht noch mal etwas Neues.“ Das klingt banal, ist es nicht. In der Tennis-Bubble gilt: Wer mit 30 nicht mindestens ein Major hat, wird zum ewigen Versprechen. Zverev will nicht mehr versprechen, sondern liefern.

Die Uhr tickt. Sein Fitnesszustand ist exzellent, das Knie, das ihn 2022 lahmte, verschwindet langsam aus den Köpfen. Die Frage ist nicht mehr, ob er kann, sondern wann er zuschlägt. Becker gibt den Zeitrahmen vor: „Es ist eine Frage der Zeit, bis er ein ganz großes Turnier gewinnt.“

Paris, London, New York – alle drei verbleibenden Grand-Slam-Bühnen passen zu seinem neuen Stil. Sand verlangt Geduld, Gras Tempo, Hartplatz Klarheit. Zverev liefert plötzlich alles. Die Akteure im Herren-Tennis haben seinen Schritt längst registriert. Wer vor Monaten noch auf seine Rückhand wollte, sucht jetzt verzweifelt die Lücke. Sie ist kleiner geworden.

Becker, der Mentor ohne offizielles Amt, schließt mit einem Satz, der klingt, als hätte er ihn selbst vor 35 Jahren gehört: „Er muss nur weitermachen.“ Weitermachen heißt: nicht nachlassen, nicht zurückschalten, nicht erklären. Einfach spielen. Das nächste Grand-Slam-Fenster öffnet sich in sechs Wochen. Paris wartet. Und Zverev wartet nicht mehr.