Bayern-offensive bricht weg: guerreiro, gnabry, karl – paris kommt zur falschen zeit

Raphael Guerreiro zieht den linken Oberschenkel hoch, blinzelt ins Sonnenlicht von Mainz und ahnt nicht, dass er Sekunden später die Champions-League-Träume des FC Bayern lähmt. Muskelfaserriss, vier Wochen Pause, beide Halbfinale gegen PSG gestrichen – das 4:3 kostete mehr als drei Punkte.

Die verletztenliste liest sich wie ein who-is-who der offensive

Serge Gnabry sitzt bereits auf der Tribüne, der rechte Adduktor komplett gerissen, WM im Sommer auch weg. Lennart Karl, 18, frisches Talent, derselbe Schaden wie Guerreiro, nur rechts. Tom Bischof, 20, Wadenfaserriss, kämpft um das Rückspiel. Bara Sapoko Ndiaye darf in Paris gar nicht erst ran, weil die Gambinos-Leihe keine Europapapiere liefert. Drei, vier, fünf – fünf Ausfälle, und das in der heißesten Phase.

Vincent Kompany verliert damit jede Rotation. Seine einzige Hoffnung: Jamal Musiala dribbelt aus dem Stand drei Gegner aus. Oder Harry Kane verwandelt die erste Chance, bevor die Bayern den Ball überhaupt kontrollieren. Denn wer soll Paris‘ Viererkette noch auseinanderziehen, wenn nicht mehr da ist, was diese Saison sonst flügelt?

Die zahlen sind brutal: 0 tore in den letzten 180 cl-minuten ohne diesen block

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Die Statistik hinter den Kulissen lügt nicht. In den vergangenen drei europäischen Partien, in denen Guerreiro und Gnabry gemeinsam fehlten, kam der Rekordmeister auf gerade einmal zwei große Chancen – bei 28 Ballverlusten im letzten Drittel. PSG dagegen reist mit Dembélé, Mbappé, Barcola, also mit einem Turbo, den die Bayern gerade selbst abgestellt haben.

Ulreich? Noch offen. Der Ersatzkeeper flog sechs Wochen wegen eines Muskelbündelrisses aus dem Kader. Sollte er Montag doch noch ins Flugzeug nach Paris steigen, bleibt er nur symbolische Nummer. Die echte Nummer eins steht hinten, aber vorne fehlt das Komma zwischen Druck und Tor.

Mia san mia – aber ohne munition

Mia san mia – aber ohne munition

Die Allianz Arena wird am 6. Mai kochen, keine Frage. Doch wenn die Mannschaft schon beim Aufwärmen gegen die Bande schaut, weil kein echter Flügelspieler mehr übrig ist, wird die Kurve spätestens in der 30. Minute leiser. Denn Paris muss nicht gewinnen, Paris muss nur nicht verlieren. Und das ist, mit Verlaub, ein Unterschied, der die Münchner jetzt am meisten brennt.

Restprogramm: Dienstag in der Hauptstadt die Scouting-Abteilung von Luis Enrique grinsen sehen, sieben Tage später daheim hoffen, dass Kane einen verwandelt und die Abwehr null kassiert. Klingt nach Hollywood. Ist aber aktuell die einzige Regie, die Kompany noch bleibt. Sonst heißt es im Sommer: „Wir haben alles versucht – nur hatten wir keine Beine mehr.“