Bayern liefert atalanta eine football-lektion und lässt italien verzweifeln

Es dauerte keine 90 Sekunden, bis die New Balance Arena verstummte. 25 Minuten später war sie ein Theater des Schweigens. Bayern München zerlegte Atalanta Bergamo mit 6:1, und das Ganze fühlte sich nicht mal mehr wie ein Fußballspiel an, sondern wie ein Demonstrationslauf mit Ball.

Die Zahlen sind schonungslos: 17 Torschüsse innerhalb der ersten halben Stunde, 4:0 nach 35 Minuten, 71 Prozent Ballbesitz bis zur Pause. Wenn Gastgeber und Gäste aus derselben Sportart stammen, sollten sie nicht solche Unterschiede aufweisen. Doch genau das war der Fall: ein Klassenunterschied, der in den italienischen Zeitungen am Morgen danach mit Worten wie 'Gemetzel', 'Desaster' und 'Blamage' beschrieben wurde.

Italien fragt sich, wie tief die krise wirklich ist

Die Gazzetta dello Sport spricht von einer 'Niederlage, die nicht nur Atalanta betrifft, sondern den gesamten Calcio'. Das mag dramatisch klingen, ist aber nur konsequent. Seit 2022 hat keine italienische Mannschaft mehr das Champions-League-Viertelfinale erreicht. Ein 1:6 auf heimischem Rasen ist der lauteste Weckruf, den die Serie A bekommen konnte.

La Repubblica zieht eine ebenso knappe wie bittere Bilanz: 'Bayern ist von einem anderen Planeten.' Den Bayern reichten 25 Minuten, um die Atalanta-Träume vom Viertelfinale zu pulverisieren. Ein Treffer von Musiala, ein Doppelpack von Kane, ein Solo von Sané – und schon stand das Ergebnis, das den Wochenplan der Italiener komplett über den Haufen wirft.

Trainer Vincent Kompany wirkte selbst ein wenig überrascht von der Vehemenz seines Teams. 'Wir wollten dominant sein, aber nicht brutal', sagte er nach Abpfiff. 'Was wir heute gesehen haben, war ein Kollektiv, das sich selbst übertrumpft.' Seine Gegenfigur, Gian Piero Gasperini, konnte nur das eine gestehen: 'Sie waren in jedem Belang besser. Tempo, Raum, Kopf.'

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Bayern hat in den letzten sieben CL-Auswärtsspielen 25 Tore erzielt. Die Münchner treten nicht mehr an, um zu gewinnen – sie treten an, um zu demonstrieren. Die Frage, die sich der europäische Fußball stellt, lautet nicht mehr, ob das Viertelfinale erreicht wird, sondern ob es überhaupt jemanden gibt, der diese Mannschaft stoppen kann.

Das Rückspiel in der Allianz Arena wird zur Formsache. Atalanta muss in neun Tagen in München drei Tore ohne Gegentor schießen, um wenigstens die Verlängerung zu erreichen. Die Buchmacher geben dafür 67:1 – ein Witz, der die Lage auf den Punkt bringt.

Italiens Medien haben recht: Diese Nacht war mehr als ein Ausscheiden. Sie war ein Spiegel, in dem der Calcio seine eigene Ohnmacht betrachten muss. Und Bayern? Die Dampfwalze rollt weiter – mit Tempo, mit Gier, mit einer Selbstverständlichkeit, die an Perfektion grenzt.