Bayern jagt mit 97 treffern den jahrhundert-rekord – 101-tore-marke aus 1972 fällt demnächst

Der FC Bayern steht vor dem Tor zum Größenwahn: 97 Buden nach 27 Spieltagen, nur vier Tore trennen die Mannschaft von der ewigen Bestmarke der Saison 1971/72. Die 101 Treffer, die Gerd Müller und Co. vor 54 Jahren aufstellten, sind zum Greifen nah – und das sieben Spieltage vor Schluss.

Die Zahlen sind kein statistisches Kuriosum, sondern ein Offensiv-Tsunami. Nach dem 4:0 gegen Union Berlin sprach Christoph Freund von einem „historischen Angriff“, der „ewig in Erinnerung bleiben wird“. Er irrt nicht: Die Bayern schießen im Schnitt 3,6 Tore pro Partie, ein Tempo, das selbst die Spieler erschaudern lässt.

Kimmich: „das ist tatsächlich verrückt“

Joshua Kimmich pfiff die Meister-Elf nach dem Schlusspfiff zusammen, stützte sich auf die Bande und atmete tief durch. „Es ist tatsächlich verrückt, dass wir so früh bei 97 sind“, sagte er und schüttelte den Kopf. Die Rechnung ist simpel: Fünf Gegentreffer würden reichen, um die 101-Tore-Schallmauer zu durchbrechen – ein Schnäppchen für eine Offensive, die in dieser Saison schon 19 Mal vier oder mehr Treffer erzielte.

Die Tore gegen Union zeigten das ganze Repertoire: Michael Olise zog aus 18 Metern ab, Serge Gnabry schob zweimal eiskalt ein, Harry Kane köpfte unhaltbar. Dazwischen lagen Passstafetten, die an Tiki-Taka-Perfektion erinnerten, und Konter, die in Zeitlupe aussahen. „Wir können kontern, wir können Standards, wir können Ballbesitz, wir können einen Schnellangriff“, zählte Kimmich auf – und klang dabei wie ein Kind, das sein Spielzeug vorstellt.

Die Gegner haben sich längst damit abgefunden, dass sie nicht nur verlieren, sondern auch demütigt werden. Union-Coach Boris Schmitt gestand nach der Partie: „Wir haben versucht, das Tempo zu drosseln, aber die Bayern spielen Fußball, als hätten sie einen Turbo-Modus.“ Die Berliner kassierten in München ihre höchste Saisonniederlage – und waren trotzdem nicht der schlechteste Gegner der letzten Wochen.

Freund: „die bestmarke wird fallen, ja, davon gehen wir aus“

Freund: „die bestmarke wird fallen, ja, davon gehen wir aus“

Christoph Freund sitzt nicht mehr nur in der Loge, er schwebt. Der Sportdirektor spricht von „etwas ganz Besonderem“ und meint damit nicht nur die Torausbeute, sondern die Art und Weise, wie sie zustande kommt. „Die Mannschaft hat Spaß, ist hungrig und gibt nie auf“, sagt er und klingt dabei wie ein Fan, der sich selbst nicht glaubt, was er da sieht.

Die Historie ist ein Spiegel, in dem sich die Bayern gerne betrachten. 1972 war Gerd Müller mit 40 Treffern der Drahtzieil, heute teilen sich Kane (32), Musiala (15) und Olise (13) die Tore. Die Last ist verteilt, die Gefahr dadurch exponentiell. „Wir wollen nicht nur den Rekord brechen, wir wollen ihn pulverisieren“, sagt Thomas Müller, der mit seinen 34 Jahren zur jungen Garde gehört, die diese Saison prägt.

Die restlichen Gegner lesen die Statistiken und wissen: Sie sind nicht nur Statisten, sondern potenzielle Opfer. Am 33. Spieltag gastiert der BVB in München – ein Klassiker, der zur Schießbude werden könnte. „Wir werden nicht bremsen“, verspricht Freund. Die Fans rechnen bereits: Bei diesem Tempo könnten die Bayern am Ende der Saison bei 115 Toren landen. Eine Zahl, die selbst die 101er von einst wie ein Fußnote erscheinen lässt.

Der Rekord ist kein Ziel mehr, er ist eine Formsache. Die Bayern spielen sich in die Geschichte – und haben dabei offensichtlich ihren Spaß.