Baumann zieht mit 167. abfahrt die notbremse – und schreibt geschichte

Er fuhr nicht mehr aufs Podium, sondern ins Archiv. Romed Baumann beendete am Samstag in Garmisch-Partenkirchen seine Weltcup-Laufbahn – und setzte dabei einen Rekord, der wohl länger halten wird als seine 15 Sekunden Rückstand auf Marco Odermatt.

Die entscheidung fiel zwischen start und ziel

167 Mal stand der 40-Jährige an der Startlatte einer Abfahrt. Kein Mensch zuvor. Doch die Zahl war ihm selbst egal, als er nach dem Rennen mit verschmierten Sonnenbrillengläsern in die Mikrofone stolperte. „Gestern Nachmittag war’s fertig“, sagte er, als hätte er nur einen Kaffee bestellt. Die Heimrennen, einst seine Droge, schmeckten plötzlich wie kalter Schaum. „Der Fokus war weg, der Biss auch.“

Der Blick zurück: 2014 wechselte der Österreicher zum DSV, wurde zur deutschen Ikone, ohne je die große Medaille zu holen. Olympische Spiele? Dreimal dabei, dreimal leer ausgegangen. Die Nichtnominierung für Bormio war die leise Genugtuung des Verbandes – und für Baumann der finale Stich. „Du sitzt daheim, siehst die Jungs angreifen und weißt: Das kannst du nicht mehr toppen.“

Aberglaube statt abschiedstour

Aberglaube statt abschiedstour

Warum er das Karriereende bis zum letzten Meter geheim hielt? „Ich wollte mich nicht verhexen.“ Der alte Skier-Spruch half ihm tatsächlich durch 17 Saisonen ohne größere Verletzung. Jetzt, wo die Bindungen sich lösen, will er binden: 2025 startet Baumann in die Trainerlizenz. „Jungs, denen die Beine zittern – da kann ich was reißen.“

Marco Odermatt, der Sieger von damals, schwärmt noch am selben Abend: „Romeds Spuren liegen nicht in der Wand, sondern im Kopf der Jüngeren.“ Tatsächlich: In der deutschen Speed-Abteilung zitieren sie noch heute seine Lehn-Einheiten, seine Leise-Fahrten, wenn die Piste eisig klirrt.

Der rekord steht, der mann geht

Der rekord steht, der mann geht

167 Mal war er schneller als die Angst. Mit 15 Sekunden Rückstand wurde er zum Symbol: Selbst Legenden müssen irgendwann Bremsen. Baumann nimmt’s mit einem Grinsen: „Irgendwann tauch ich wieder auf – vielleicht mit der Startnummer 1, diesmal auf der anderen Seite der Latte.“ Die Kandahar wird ihn nicht vermissen, aber sie wird ihn nie vergessen.