Baumann versinkt im leipziger gollausch: 0:5-suppe vor länderspiel

Oliver Baumann ging mit zuckenden Fingerspitzen von einem Pfosten zum anderen, als hätte er selbst das Netz nicht fassen können. 34 Minuten, 0:4 – und die Generalprobe vor dem DFB-Kader endete in einem Offenbarungseid statt in einem Auftritt.

Der 35-jährige Nationalkeeper kassierte gegen RB Leipzig zum zweiten Mal in dieser Saison fünf Gegentore. Die TSG Hoffenheim rutschte beim 0:5 so tief in die eigene Hälfte, dass selbst die gelben Trikots im Fernsehbild verschwammen. „Heute tut es erstmal so weh“, sagte Baumann, während hinter ihm die Kabinentür ins Schloss fiel – ein Geräusch, das wie ein Schnippen klang.

Der erste dämpfer war zugleich der finale

Ilzer hatte seine Mannschaft auf Laufbändern gezüchtet, doch Leipzig schaltete sie einfach aus. Das 1:0 fiel nach neun Minuten, als Baumann noch dachte, er hätte die Ecke. Beim 2:0 stand er bereits mit dem Rücken zur Kurve. „Das hat uns den Stecker gezogen“, sagte er und klang dabei, als würde er selbst einen Hauptschalter suchen.

Die Statistik lügt nicht: vier Gegentore aus vier Torschüssen in der ersten Hälfte – das ist keine Schwächephase, das ist ein Systemfehler. Baumanns Blick ging zwischen den Linien hin und her, aber die Linien antworteten nicht.

Nagelsmann muss umdenken – oder zittern

Nagelsmann muss umdenken – oder zittern

Julian Nagelsmann hatte Baumann für die Länderspiele gegen die Schweiz und Ghana nominiert. Nun steht der Bundestrainer vor einer Zwickmühle: Eine Nummer eins, die zweimal binnen Wochen fünfmal klingeln lässt, wirft Fragen auf, die kein Lauftraining beantwortet. „Die Nationalmannschaft tut immer gut“, sagte Baumann, doch seine Stimme klang wie ein Satz, den man auswendig lernt.

Christian Ilzer sprach von „sehr, sehr bitteren Punkten“. Was er verschwieg: Seit drei Jahren verlor Hoffenheim jedes zweite Auswärtsspiel mit drei oder mehr Gegentoren. Das ist kein Ausrutscher, das ist ein Déjà-vu mit Torbögen.

Am Ende stand Baumann allein im Strafraum, die Hände an den Hüften, das Trikot bis zum Brustbein durchnässt. Die Kamera zoomte heran, suchte nach einer Geste, aber er blieb starr. Manchmal sagt das Schweigen mehr als jede Parole – und manchmal sagt eine 0:5-Pleite alles über eine Saison, bevor sie richtig begonnen hat.