Bastoni ausgepfiffen: italiens fans vergeben nicht

Jedes Mal, wenn Alessandro Bastoni den Ball berührt, bricht im Stadion ein Pfeifkonzert los. Nicht zufällig, nicht vereinzelt – sondern organisiert, von der ersten Minute an, wie ein kollektives Urteil, das die Tribünen immer wieder erneuern. So geschehen beim Auswärtsspiel von Inter Mailandgegen Como im Coppa-Italia-Duell, und schon zuvor in Lecce: Die Fans der Gastgeber ließen den Innenverteidiger keine Sekunde in Ruhe.

Was hinter dem pfeifkonzert steckt

Der Ursprung dieser kollektiven Ablehnung liegt im Skandal rund um das Spiel Inter gegen Juventus. Seitdem trägt Bastoni bei jedem Gastspiel in fremden Stadien eine unsichtbare Last mit sich. Die Entschuldigungen, die er in einer Pressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel gegen Bodø/Glimt öffentlich ausgesprochen hatte, verpufften wirkungslos. Italiens Fußballfans haben ein langes Gedächtnis.

In Lecce dauerte das Pfeifkonzert volle 90 Minuten. In Como war es nicht anders. Egal ob Serie A oder Coppa Italia – das Urteil der Tribünen bleibt dasselbe. Nummer 95 von Inter ist zur Zielscheibe geworden, und die Wut der gegnerischen Anhänger zeigt keinerlei Anzeichen, sich zu legen.

Bastoni zwischen leistung und öffentlichem druck

Bastoni zwischen leistung und öffentlichem druck

Das Bittere an dieser Geschichte: Bastoni gehört zu den besten Linksverteidigern Europas. Seine Spielintelligenz, sein Aufbauspiel, seine Ruhe am Ball – das alles zählt gerade wenig, sobald er die Heimstätte von San Siro verlässt. Auswärts ist er nicht mehr nur ein Fußballer. Er ist ein Symbol geworden, auf das projiziert wird, was viele Fans als Unrecht empfinden.

Ob die Stimmung irgendwann dreht, hängt weniger von weiteren Entschuldigungen ab als von der Zeit. Und die läuft in diesem Fall gegen ihn. Bis dahin gilt: Jeder Ballkontakt außerhalb Mailands ist eine Bewährungsprobe – und das Stadion der Richter.