Basketball-question bringt kandidat bei günther jauch 64.000 euro

Sören Henschel schaute blinzelnd in die Kamschaft, schluckte – und entschied sich gegen sein ureigenstes Wissen. „Basketball ist nicht mein Ding“, sagte er, während 67 Prozent des Studiopublikums auf Utah Jazz tippten. Drei Minuten später verließ der Versicherungskaufmann die „Wer wird Millionär?“-Bühne mit doppeltem Preisgeld plus jenes kostbaren Gefühl, das Fußballfans so gerne „Abstauber“ nennen: Glück, das man sich selbst nicht zutraut, aber trotzdem mitnimmt.

Der bluff mit der brass-band-hauptstadt

Die Frage klang harmlos: Welches NBA-Team hatte vor dem Umzug und der Umbenennung Ende der 70er-Jahre sein Zuhause in New Orleans? Die Antwortmöglichkeiten lauteten LA Lakers, New York Knicks, Utah Jazz und Boston Celtics. Henschel, Fan von Preußen Münster und Dauerkarteninhaber im Preußenstadion, kannte sich in Nordamerikas hardwood floors so gut aus wie ein Eishockeytorwart in der Samba-Schule. Also aktivierte er den Publikumsjoker – und das Kollektivwissen der 150 Zuschauer erwies sich als goldrichtig.

Moderator Günther Jauch spielte den Lehrer: „Man muss kein Basketball-Nerd sein, man muss nur wissen, dass Jazz in New Orleans erfunden wurde.“ Tatsächlich waren die Jazz 1974 in der Louisiana-Metropole gegründet worden, fünf Jahre später zogen sie nach Salt Lake City, nahmen den Namen aber mit – ein Relikt, das bis heute Sportkommentatoren verzweifeln lässt. Henschel lächelte gequält, klickte Utah an – und die 32.000 Euro waren sicher.

Vom zufallstreffer zum ausstieg

Vom zufallstreffer zum ausstieg

Die nächste Frage – über ein deutsches Sprichwort – beantwortete der 38-jährige ebenfalls korrekt, schraubte den Gewinn auf 64.000 Euro. Dann verzichtete er auf weitere Risiken, verabschiedete sich mit Handschlag und einem Satz, den viele Fußballer nach einem glücklichen 1:0 kennen: „Wir nehmen die drei Punkte und verschwinden schnell.“

Für die Sportredaktion bleibt ein Fazit: Manchmal reicht ein einziger Joker, um Geschichte zu schreiben – und manchmal reicht ein Hauch New-Jazz-Sound, um aus Nichtwissen Profit zu schlagen. Henschel wird mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern feiern, vielleicht im Stadion, auf jeden Fall aber mit dem Bewusstsein, dass Glück kein Selbstläufer ist, sondern ein Kollektivprodukt aus 67 Prozent Zuschauerstimmen und 100 Prozent Mut, sich auf fremdes Terrain zu wagen.