Basel brennt auf revanche – daniliuc und shaqiri liefern lichtblick

0:3 in St. Gallen, Tabellenzittern, Jubiläumsdruck: Der FC Basel empfängt heute den Servette FC und muss liefern, sonst wird es im St. Jakob-Park ungemütlich.

Die Zahlen sind gnadenlos. Seit fünf Liga-Runden warten die Basler auf einen Sieg, die letzte Niederlage in der Kybunpark-Arena war der vorläufige Tiefpunkt. Doch wer dachte, dass sich die Mannschaft von Stephan Lichtsteiner im Keller versteckt, irrte. Am Freitag platzte die Nachricht: Flavius Daniliuc kehrt zurück. Nach fünfwöchiger Corona-Pause absolvierte der Innenverteidiger wieder volle Einheiten, seine Nase richtet sich auf den Rasen, nicht auf die Tribüne.

Xherdan Shaqiri trainierte die ganze Woche ohne Beschwerden – ein Signal, das in Basel lauter knallt als jedes Fan-Gesangbuch. Der Kapitän fehlte in St. Gallen, sein Linksfuß fehlte noch mehr. Ohne ihn wirkt das Mittelfeld wie ein Uhrwerk ohne Zahnrad: funktional, aber ohne Takt. Gegen Servette, das seit sechs Partien ungeschlagen ist, braucht es Takt und Tempo.

Servette reist mit selbstvertrauen und einem plan

Die Genfer haben sich längst aus dem Tabellenkeller herausgeboxt. Coach René Weiler ließ seine Mannschaft in der letzten Trainingswoche hoch verlagern, um Basels Aufbauspiel schon in der eigenen Hälfte zu ersticken. Dabei vertraut er auf die Schnelligkeit von Dereck Kutesa und die Kopfballstärke von Timothé Cognat. Letzterer erzielte in den letzten drei Auswärtsspielen zwei Treffer – beide per Kopf, beide nach Standards.

Basel hat genau dort die größten Lücken. Die 0:3-Gegentore in St. Gallen fielen nach einem Einwurf, einer Ecke und einem Konter. Lichtsteiner sprach von „Kinderfehlern“, klang dabei aber wie ein Lehrer, der weiß, dass die Klasse vor der Zeugniskonferenz steht.

Die personelle Lage bleibt trotz guter Nachrichten angespannt. Marvin Akahomen fiel am Freitag mit Adduktorenproblemen aus, Keigo Tsunemoto laboriert an einer Sprunggelenksprengung. Beide stehen auf der Frageliste, wobei Tsunemoto eher außen vor dürfte. Lichtsteiner muss also improvisieren – vielleicht mit Liam Millar links, vielleicht mit einem Dreier- statt Viererkettchen.

Der joggeli wird 25 – und fordert ein geschenk

Der joggeli wird 25 – und fordert ein geschenk

Am Sonntag feiert der St. Jakob-Park Geburtstag, 25 Jahre voller Emotionen, Meisterschaften, Europa-Nächte. Die Vereinsführung verspricht ein „Fan-Fest mit Überraschungen“, doch das schönste Präsent wäre ein Sieg. Die letzten beiden Heimspiele endeten 1:1, die Kurve wurde laut, aber nicht glücklich. Gegen Servette droht das dritte Remis in Folge – oder der dritte Saison-Absturz.

Die Wettquoten sprechen eine klare Sprache: Basel ist Favorit, aber nur auf Papier. Die letzte Begegnung in Genf endete 2:2, damals rettete Servette in der 94. Minute den Punkt. Genau diese Erfahrung nagt noch im Hinterkopf der Basler Defensive. Wer in der Nachspielzeit zweimal den Kopf hängen lässt, bekommt ihn am Sonntag früher oder später wieder heruntergezogen.

Entscheidend wird sein, ob Daniliuc von Anfang an spielt oder nur für den Notfall auf der Bank sitzt. Seine Präsenz allein wirkt wie ein Beruhigungsmittel für die gesamte Viererkette. Wenn er neben Riccardo Calafiori steht, gewinnt Basel 6,3 Prozent mehr Zweikämpfe in der eigenen Hälfte – eine interne Statistik, die in der Kabine herumgeht und für zusätzlichen Druck sorgt.

Anstoß ist um 16:30 Uhr, das Stadion wird ausverkauft sein, das Wetter mild. Alles scheint perfekt – außer die Formkurve. Doch im Fußball gilt: Ein Match kann alles überdecken, ein Tor kann eine Saison retten. Basel braucht heute genau diesen Moment, sonst wird der Jubiläumstag zur Geduldsprobe.

Lichtsteiner weiß, dass seine Mannschaft an der Schwelle steht. „Wir sind bereit, Feuer zu machen“, sagte er am Freitag – und klang dabei nicht wie ein Coach, sondern wie ein Spieler, der selbst noch einmal auflaufen möchte. Heute Abend wird sich zeigen, ob seine Jungs das Feuer entfachen oder ob Servette mit dem nächsten kalten Schauer nach Basel reist. Die Antwort fällt zwischen 16:30 und 18:15 Uhr, danach ist die Meisterschaft entweder gerettet – oder endgültig offen.