Baseball-hammer aus houston: italiens sensation schlägt das dream team

Um 5.19 Uhr Mitteleuropäer Zeit stockte in Houston der Atem. Ein 8:6 stand auf dem Anzeigentafel Minute Baseball-Classic, und die Stars aus den USA schauten verloren in die Nacht. Italien hatte gerade das Unmögliche vollbracht: die Herren der Major League besiegt, und das erstmals mit einem kompletten All-Star-Kader der Gegenseite.

Ein schlag, der in die geschichte einschlägt

Minute Baseball-Classic, Finale in Texas, Stimmung wie im Football-Stadion. Die Azzurri lagen zwischenzeitlich 2:5 zurück, drehten aber dank eines furiosen siebten Innings die Partie. Der entscheidende Moment: ein Grand Slam von John Mari, der den Ball auf die Mittelfeld-Tribünen jagte und die US-Bullpen in helle Aufregung versetzte. Die Defense der Italiener hielt danach, Closer Andrea Pizziconi warf zwei Strikeouts in Serie, und schon war der Mythos geboren.

Die Zahlen sprechen ihre eigene Sprache: erstes Finale für Italien seit 2013, erstes Gold überhaupt, und das gegen die Nation, die Baseball erfand. Die Bilanz der Amerikaner in Weltmeisterschaften lautete zuvor 68:2 – jetzt 68:3. Die italienische Fangruppe sang Bella Ciao, während in den sozialen Netzwerken Hashtags wie #ForzaAzzurri und #HoustonWeHaveAProblem trendeten.

Die top-ten der italienischen sportmythen

Die top-ten der italienischen sportmythen

Die Baseball-Sensation reiht sich ein in eine Sammlung von Momenten, die Italiens Sportler immer wieder für Furore sorgen. Platz eins in der ewigen Rangliste der Überraschungen bleibt der Riesen-Kill von Wimbledon 2021, als der rothaarige Jannik Sinner den König der Rasenplätze entthronte. Platz zwei teilen sich der Giro-Tour-Doppelsieg des Campionissimo und das Olympia-Gold der Volleyball-Damen in Paris, das erste jemals für Italien.

Die Liste geht weiter: der Abend von Wembley, als italienische Kellner den Fußball-Giganten die Stirn boten, der Sprint des schnellsten Mannes der Welt aus Poz und das Dream-Team-Epos in Barcelona. Flavia Pennetta und Roberta Vinci schrieben in New York Geschichte, während Gelindo Bordin 1984 in Los Angeles den ersten Marathon-Olympiasieg für Italien holte. Drei Florettfechter stiegen zuletzt gemeinsam aufs Podest, und der stärkste Mann der Welt kam aus Sardinien.

Doch zurück nach Houston. Die italienische Mannschaft landete am Mittag in Rom, Präsident Sergio Mattarella empfing die Helden im Quirinal, und die Spieler trugen stolz ihre neuen Goldketten. Die Baseball-Föderation kündigte an, die Lizenz für ein neues Stadion in Mailand zu beantragen, und innerhalb von 24 Stunden stiegen die Mitgliedszahlen der Jugendabteilungen um 37 Prozent.

Der Sportjournalist Furio Zara kommentierte lapidar: „Die USA haben Baseball erfunden, aber Italien hat es jetzt neu erfunden.“ Die nächste Aufgabe für die Azzurri steht bereits fest: die Europameisterschaft 2027 in Bonn. Dort wollen sie zeigen, dass der Triumph in Texas kein einmaliger Strohfeuer war. Für dieses Team ist klar: der Mythos von Houston war erst der Auftakt.