Barock volleys jagen friedrichshafen: der underdog will den pokal-kracher

Am Sonntag um 17.30 Uhr schlägt in der ZF-Arena der erste Ball. Dann stehen die Barock Volleys MTV Ludwigsburg im Achtelfinale der Volleyball-Bundesliga gegen den Rekord-Pokalsieger VfB Friedrichshafen auf dem Feld – und plötzlich ist der Underdog nicht mehr nur Gast, sondern Bedrohung.

Sechster Platz nach der Hauptrunde, 3:1-Sieg gegen Friedrichshafen im Dezember, zwölf Zähler vor dem Abstiegsstrich: Die Zahlen sprechen eine Sprache, die in Baden-Württemberg niemand für möglich hielt. „Wir wollen zeigen, dass wir dahin gehören“, sagt Kapitän Ben-Simon Bonin. Keine Floskel, sondern Programm.

Best-of-three mit heimrecht für die häfler

Die Serie beginnt am Bodensee, wo der VfB seit 27 Jahren seine Festung bewacht. Nur einmal in dieser Saison verlor Friedrichshafen daheim – gegen Ludwigsburg. Genau diese Niederlage sitzt tief. „Die Jungs haben Hunger“, sagt Trainer Markus Göller, doch hinter dem Satz lauert Druck. Ohne den verletzten Diagonalangreifer Parker van Buren fehlt die Schlagkraft aus der Mitte, dafür ist der Block um Nationalspieler Lukas Kampa gewarnt.

Für Ludwigsburg ist die Reise nach Friedrichshafen dagegen ein Freifahrtschein. „Der Druck liegt auf der anderen Seite des Netzes“, schmunzelt Coach Hasse Mattila. Sein Team spielt mit dem Selbstvertrauen des Außenseigers, der schon einmal den Goliath stolperte. Jan Huber und Moritz Reichert laufen seit Wochen auf 42 % Angriffserfolg, die Zuspiel-Statistik führt die Liga. Die Tabelle lügt nicht.

Der plan steht: genießen und zuschlagen

Der plan steht: genießen und zuschlagen

Mattila hat seine Mannschaft in zwei Phasen geteilt: Phase eins – Time to Enjoy, Sprachregelung im Training. Phase zwei – Time to Punish, wenn der Gegner zögert. Die Barock Volleys wollen den Ball flach halten, Friedrichshafens Mittelblocker früh binden und aus der Pipe schlagen. Ein einfaches Rezept, das aber nur funktioniert, wenn die Annahme sitzt. Genau dort hat MTV-Managerin Katrin Feulner in den letzten Tagen nochmal Hand angelegt: Extra-Schichten mit Libero Tim Peter, dessen Passquote in den entscheidenden Sätzen bei 71 % liegt.

Die Stadt Ludwigsburg hat inzwischen 3.000 Fans mobilisiert, zwei Sonderzüge rollen Richtung Bodensee. Selbst der OB wird live dabei sein. Der Club, bis 2023 noch Regionallist-Anwärter, verkaufte in zwölf Tagen mehr Play-off-Tickets als in der gesamten Vorsaison. Die Barock-Arena ist ausverkauft – für ein Event, das vielleicht nie stattfindet, wenn Friedrichshafen am Sonntag direkt die 2:0-Serie macht.

Neue saison, neues gesicht, alter anspruch

Neue saison, neues gesicht, alter anspruch

Während die Mannschaft kämpft, arbeitet die Geschäftsführung schon am nächsten Schritt. Mit Patrick Steuerwald kommt ein Coach, der Friedrichshafen von innen kennt – fünf Jahre Co-Trainer beim VfB, Pokalsieger 2022. Sein Vertrag bei Dachau wurde aufgelöst, das Gehalt durch Sponsoren aufgestockt. Steuerwald soll die Professionalisierung vorantreiben: Videoanalyse-Team, Athletik-Coach, Mentaltrainer. Budget: plus 35 %, kalkuliert auf Platz fünf in der nächsten Saison.

Doch vorher steht das Jetzt. Ein Sieg am Sonntag würde nicht nur die Serie öffnen, sondern die Liga durcheinanderwirbeln. Kein Aufsteiger schaffte seit 2011 den Viertelfinaleinzug. Die Barock Volleys könnten Geschichte schreiben – und wissen es.

„Wir haben nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen“, sagt Bonin vor der Abreise. Die Koffer sind gepackt, die Musik auf Oldschool-HipHop eingestellt. In Ludwigsburg glaubt man an das zweite Wunder dieser Saison. Am Sonntag wird sich zeigen, ob der Underdog wieder zubeißen kann – oder doch nur gastieren durfte.