Barcelona bricht magdeburgs bann und schlägt den scm 36:29

Getec-Arena, 19. Minute: Dika Mem stapft mit dunklem Blick über die Platte, zieht die Uhr hoch und stoppt das Spiel. Der Franzose ist gerade mal 45 Sekunden auf dem Feld, und schon herrscht seine Zeit. Kurz darauf donnert er das 12:14 in die Magdeburger Reisekiste. Der erste Sieg des FC Barcelona in der Ottostadt seit Dezember 2005 nimmt hier seinen Anfang.

Mems comeback wird zur glaubensfrage

Bennet Wiegert hatte vor dem Duell gesagt, es gehe um Prestige. Was er nicht sagte: Es geht auch um die Frage, ob ein einzelner Superstar eine komplette Abwehrkette entzaubern kann. Mem liefert die Antwort in zwei Akten. Akt eins: 12:14, Unterzahl gezähmt, Zeit geschunden. Akt zwei: 53. Minute, 31:29, Ballgewinn, Solo, Treffer – Barcelona enteilt, Magdeburg stolpert ins Risiko und verliert den Ball, das Spiel, die Tabellenführung.

Die Statistik hinter dem Spektakel: Barcelona warf 36 Tore – so viele kassierte der SCM in dieser Saison noch nie in einem Wettkampf. Sergey Hernandez, künftig selbst Barça-Keeper, parierte stark, warf sogar ein Tor, aber er konnte nicht verhindern, dass seine Vorderleute vor allem Mem und Aleix Gomez wie auf dem Kreis standen. Gomez steuerte acht Tore bei, Mem sieben, und das, obwohl er nur 14 Minuten spielte.

Gruppensieg weg, viertelfinale sicher

Gruppensieg weg, viertelfinale sicher

Die Niederlage brenzt trotzdem. Magdeburg muss nun am letzten Spieltag auf Schützenhilfe hoffen, um die Gruppe noch zu gewinnen. Die Play-off-Teilnahme ist gesichert, doch wer als Erster ins Viertelfinale einzieht, spart sich eine zusätzliche Belastung. Für Wiegert heißt das: Sonntag 15 Uhr in Hannover schon wieder Vollgas, denn die Bundesliga wartet mit dem nächsten Schlag auf.

Die Saison ist lang, aber die Lektion von diesem Abend kurz: Selbst eine Heimserie von 18 Jahren reicht nicht gegen einen Dika Mem, der seine Uhr nach eigenem Tempo stellt. Magdeburg lernt, dass Prestige allein kein Tor wirft – und dass Zeitspiel nur funktioniert, wenn man hinten zupackt. Am Ende jubelt Barcelona, und die Getec-Arena verstummt. Der Bann ist gebrochen, die Gruppe offen – und die Handball-Welt ein Stück spannender geworden.