Ballack und bierhoff schlagen alarm: nur disziplin rettet den titeltraum

Ballack und Bierhoff schlagen Alarm: Nur Disziplin rettet den Titeltraum. Zwei Tage vor dem Abflug in die WM-Hotels in Texas glauben Deutschlands Ex-Leader noch an das große Wunder – doch ihre Worte klingen wie ein Weckruf. "Wenn wir wieder wie früher durch Geschlossenheit leben", fordert Oliver Bierhoff, "ist alles drin." Alles – nur eben nicht ohne Kampf.

Die favoritenrolle liegt woanders

Frankreich, Spanien, Portugal, Argentinien – Bierhoff zählt die Kandidaten herunter wie eine Einkaufsliste. Dazwischen steht Deutschland nur als Nebengedanke. Der frühere DFB-Manager sieht das nicht als Makel: "Turniere schreiben ihre eigenen Geschichten." Die letzte, die er miterlebte, endete 2022 im Achtelfinal-K.o. gegen Japan. Diesmal soll alles anders werden. Manuel Neuer kehrt nach seiner Wintersperre im Skiurlaub zurück, und Bierhoff schwärmt: "90 Prozent der Bundesliga-Spieler würden ihn sofort ins Tor stellen."

Michael Ballack ist weniger euphorisch. Der ehemalige Kapitän spricht offen über Herausforderungen, die Julian Nagelsmann in den nächsten Wochen erdrücken könnten. Kai Havertz sei zwar wieder fit, "aber Nick Woltemade hat in Newcastle zuletzt nur die Bank gesehen". Jamal Musiala? "Weltklasse, aber noch nicht in Topform nach seiner Verletzung." Die Außenverteidiger? "Luft nach oben." Kimmich hinten rechts? "Unverzichtbar." Und dann der Knaller: "Wir haben keine sechs, sieben, acht unantastbaren Spieler."

Das geheimnis von 2002

Das geheimnis von 2002

Ballack erinnert sich an die WM in Japan und Südkorea. Vor 24 Jahren startete Deutschland mit einer Mannschaft, die laut Experten keine Chance hatte. "Rudi Völler holte das Maximum raus", sagt er. Das Maximum war damals Finaleinzug und 0:2 gegen Brasilien. Diesmal sei Frankreich der Favorit – "der Kader hat eine unglaubliche Qualität". Aber: "Das heißt nicht, dass wir chancenlos sind."

Die Rechnung ist simpel: Disziplin plus Teamgeist plus eine Prise Glück. Die erste Probe kommt schon beim Auftaktspiel gegen Marokko. Wenn Neuer pariert, Havertz trifft und Musiala zaubert, könnte die Erzählung beginnen. Wenn nicht, fliegt die Truppe früher heim als gedacht. Ballacks Fazit: "Entscheidend ist, was Nagelsmann aus diesem Kader herausholt." Die Antwort bekommen wir in 43 Tagen – spätestens im Finale am 19. Juli in Dallas.