Balenciaga fliegt mit: melsungen jagt kristianstad und den gruppensieg
18.45 Uhr, Kristianstad. Drei Stunden nach Sonnenuntergang schlägt die Stunde der MT Melsungen. Im schwedischen Handball-Käfig wartet IFK auf den Bundesligisten – und mit ihm die Chance, schon vor dem letzten Spieltag Platz 1 in Gruppe 3 zu sichern. Der Preis: ein Sieg. Das Besondere: Erik Balenciaga könnte nach 77 Tagen Pause endlich wieder auflaufen.
Simic fehlt, balenciaga droht – und plötzlich ist riecke drin
Trainer Roberto Garcia Parrondo musste seine Koffer ohne Nebojsa Simic packen. Der Serbe bleibt in Melsungen, die Adduktoren schonen. Dafür steht Balenciaga bereit, der spanische Spielmacher, den eine Schambeinentzündung seit September auf der Tribüne hält. Er reiste über Kopenhagen mit, Parrondo will ihm Minuten geben – „wenn das Spiel es erlaubt“, wie er im Flughafen noch durch die Maske murmelte.
Die personelle Lücke füllt Jonas Riecke. Der 19-Jährige rückt für Nikolaj Enderleit nach, der sich ebenfalls die Adduktoren verdreht hat. David Mandic fehlt ebenfalls. Drei Ausfälle, ein Debütant, ein Comeback – das ist keine Rotationspolitik, das ist Notoperation.

Kristianstad kennt den weg, melsungen den ausweg
Im Hinspiel brannten die Lichter in der Rothenbach-Halle bis zur 58. Minute. Erst dann zog Melsungen auf 31:28 davon, am Ende stand 33:29. Die Schweden spielten, als hätten sie das deutsche Winterwetter im Gepäck – schnell, wendig, unangenehm. In der Kristianstad-Arena wird es noch enger. 4.000 Zuschauer, eine Halle, die atmet wie ein Ofen. Die MT muss früher wegkommen, sonst wird sie eingekocht.
Bei einem Sieg plus einem gleichzeitigen Patzer von Benfica Lissabon in Kiel wäre Gruppenplatz 1 fix. Die Rechnung ist simpel, der Weg schwer. Denn Benfica spielt bei THW Kiel – und der Rekordmeister hat seine eigene Rechnung mit dem Europapokal.

Der countdown läuft, die uhr tickt für balenciaga
Um 17.30 Uhr Beginn des Warm-ups. Dann entscheidet Parrondo, ob Balenciaga seine erste Saisonminute bekommt. 77 Tage hat er auf diesen Moment gewartet. Die Schambeinentzündung ist geheilt, der Kopf noch rau. Wenn er hereinkommt, wird die Halle pfeifen – nicht aus Bosheit, sondern aus Respekt. Kristianstad kennt ihn noch vom Spiel beim Ex-Klub Ademar León. Balenciaga kennt die Schweden auch. Heute könnte er sie mit einem Pass ausknocken.
Die MT flog gestern, schlief in Malmö, fuhr mit dem Bus über die Öresundbrücke. Jetzt sitzen sie im Hotel, essen Pasta, schauen Handball-Videos. In zwei Stunden geht’s zur Halle. Dann zählt nur noch der Sieg – und vielleicht das Comeback des Mannes, der die MT erst richtig komplett macht.
