Baggio: das trauma von pasadena und der weg zum buddhismus

Roberto Baggio, italienischer Fußballgott und tragische Figur des WM-Finales 1994, bricht in einem neuen Buch ein Herz. In einem ausführlichen Interview mit dem Corriere della Sera spricht er offen über den vergebenen Elfmeter, die Schuldgefühle und seinen spirituellen Weg – ein Weg, der ihn vom Fußballplatz in die Arme des Buddhismus führte.

Die unvergessene last des verlorenen finales

Die Bilder sind legendär: Baggio, der den entscheidenden Elfmeter in Pasadena an die Latte schießt, Italien verliert die WM gegen Brasilien. „Ich fühlte mich schuldig gegenüber allen Italienern“, gesteht Baggio. „Ich wollte verschwinden. Eine endlose Scham, die einen auch nach all den Jahren noch verfolgt.“ Doch statt sich der Vergangenheit zu ergeben, hat er gelernt, damit zu leben. „Es ist eine Wunde, die nie ganz heilt, aber mit der man lernt, zu koexistieren.“

Ein anker in der stille: der buddhismus

Ein anker in der stille: der buddhismus

Nach den turbulenten Jahren im Fußball fand Baggio Trost im Buddhismus. „Es war mein Zufluchtsort“, erklärt er. „Er hat mich als Mensch geformt, mich dazu gebracht, an Aspekten meines Charakters zu arbeiten, die ich zuvor ignoriert habe. Er gab mir die Kraft, niemals aufzugeben.“ Der Buddhismus half ihm, die innere Balance wiederzufinden und die Last der Vergangenheit abzustreifen.

Von maradona bis lippi: begegnungen mit legenden

Von maradona bis lippi: begegnungen mit legenden

Baggios Karriere war gespickt mit Begegnungen außergewöhnlicher Persönlichkeiten. Er erinnert sich an das legendäre Pallen mit Diego Maradona in luftstillem Höhen, „speziell, demütig, nah am Himmel.“ Auch seine Beziehung zu Trainern wie Marcello Lippi wird thematisiert. „Manchmal hatte ich das Gefühl, dass einige Trainer Schwierigkeiten hatten, zu akzeptieren, dass um einen Fußballspieler so viel Aufmerksamkeit bestand. Es ging nicht um Neid im eigentlichen Sinne, sondern um das Bedürfnis, Autorität zu demonstrieren.“

Die familie als konstante

Die familie als konstante

Neben den sportlichen Höhen und Tiefen betont Baggio die Bedeutung seiner Familie. Seine Frau Andreina begleitet ihn seit seiner Jugend. „Sie war schon in einem früheren Leben meine Frau“, sagt er voller Überzeugung. Die Erinnerung an seinen Vater, ein eingefleischter Inter-Fan, und die bescheidenen Anfänge seiner Fußballkarriere sind ihm ebenso wichtig. „Ich saß auf dem Fahrradkorb meines Vaters im Stadion, in den Jahren der Austerität. Dieses kalte Gefühl habe ich nie vergessen – und auch nicht die Freude.“

Ein appell an die zukunft des italienischen fußballs

Ein appell an die zukunft des italienischen fußballs

Baggio äußert auch seine Bedenken hinsichtlich der Zukunft des italienischen Fußballs. „Die Kinder spielen nicht mehr auf der Straße“, kritisiert er. „Und in der Serie A gibt es zu wenige Italiener. Wenn man einen Spieler von außerhalb holen und naturalisieren muss, bedeutet das, dass man keinen italienischen Spieler auf dem gleichen Niveau findet. Es braucht eine Formel, die die Förderung junger italienischer Talente wirklich fördert.“

Mit seinen Worten unterstreicht Roberto Baggio nicht nur seine eigene bewegte Lebensgeschichte, sondern auch seine tiefe Verbundenheit zum italienischen Fußball und seinen Wunsch nach einer besseren Zukunft. Die Vergangenheit mag schmerzen, aber die Hoffnung auf eine neue Generation von Talenten lässt ihn nicht los.