Ferrari enthüllt: pirlo, gebete und raketenabwehr in dubai

Gian Marco Ferrari, ehemaliger Kapitän des Sassuolo, blickt zurück auf seine erste Saison im Ausland beim United FC Dubai. Ein Fußballjahr voller Kontraste, von der Hitze des Wüstenstaates bis zu den ungewöhnlichen Ritualen vor dem Spiel und der ständigen Angst vor abwehrenden Raketen.

Ein ungewöhnlicher auftakt in dubai

Nach einer langen Karriere in Italien, die von der Exzellenz bis zum Nationalteam reichte, folgte für Ferrari der Schock der Enttäuschung mit Salernitana. Der Wechsel nach Dubai sollte ein Neuanfang werden – ein Experiment, das sich als eine Achterbahn der Gefühle entpuppte. Die Hitze, Andrea Pirlo als Trainer, die leeren Stadien, aber auch eine hohe Lebensqualität und die besonderen religiösen Bräuche der muslimischen Mitspieler prägten seinen Alltag.

“Es war komisch”, erinnert sich Ferrari. “Vor jedem Spiel beteten die Spieler fünf Minuten lang in Stille. Für uns, Pirlo und das Staff war es ungewohnt, da wir sonst immer motivierende Worte austauschten.” Die Sicherheit in Dubai ließ Ferrari und seine Familie sogar die Haustür offen lassen, doch die Angst vor dem Unbekannten blieb: “Wenn man einen Knall hört, weiß man nicht, ob es die Tür des Nachbarn ist oder eine abgewehrte Rakete.”

Pirlo unter druck – und ferrari’s rolle

Pirlo unter druck – und ferrari’s rolle

Ferrari schloss seine erste Saison im Ausland mit der Meisterschaft ab und verpasste knapp den Einzug ins Finale des Präsidentenpokals. Trotzdem schmerzt ihm die Saudade nach Italien: “Ich wurde hier sehr gut aufgenommen, aber ich würde gerne zurückkehren.”

Er spricht offen über Andrea Pirlo, der im Vergleich zu Italien weniger Druck verspürt. “In Italien erwartete jeder, dass er als Trainer das wiederholt, was er als Spieler geleistet hat. Das sind aber andere Rollen.” Ferrari lobt Pirlo’s Organisationsgeschick und seine Fähigkeit, ruhig zu bleiben, selbst unter Stress. “Er vermittelt immer eine unglaubliche Gelassenheit.”

Allerdings musste sich Ferrari mit einer geringeren Spielzeit auseinandersetzen, da Pirlo aufgrund der Regel, maximal vier Ausländer pro Mannschaft einzusetzen, vorrangig auf offensive Spieler setzte. “Ich habe es dem Trainer gesagt, aber immer im Geiste der Fairness”, so Ferrari. “Es gab aber auch einmal…”, lässt er die Neugierde aufkeimen, ohne ins Detail zu gehen.

Mehr als nur fußball: krieg und sicherheit

Mehr als nur fußball: krieg und sicherheit

Die Bedrohung durch den Konflikt im Iran hat auch Ferrari und seine Familie erreicht. “In Italien wurde viel dramatisierter, aber als Italiener hat man natürlich ein bisschen Angst”, gesteht er. “Es ist nicht normal, dass man Knall hört und nicht weiß, ob es eine Rakete ist.” Er habe deshalb seine Frau und Kinder nach Hause geholt, obwohl die saudischen Verteidigungssysteme beeindruckend funktionierten. “Trotzdem ist die Normalität in Dubai anders als in Italien.”

Ein blick zurück und eine entscheidung für die zukunft

Ein blick zurück und eine entscheidung für die zukunft

Ferrari blickt mit gemischten Gefühlen auf seine Zeit in Dubai zurück. Die hohe Lebensqualität und die Sicherheit für seine Familie waren unbestreitbar, doch er vermisst die Emotionen und die Spannung des italienischen Fußballs. “Mir fehlen die Plätze, die Anspannung und das Adrenalin.”

Seine schwierigste Phase erlebte Ferrari bei Salernitana. Die Abstiegskampf und die Art und Weise, wie die Dinge dort gehandhabt wurden, waren für ihn nicht nachvollziehbar. “Es fühlte sich manipuliert an”, sagt er. Doch auch diese Erfahrung hat ihn geprägt und ihm geholfen, sich neu zu erfinden.

Er erinnert sich mit Stolz an seine Zeit unter De Zerbi beim Sassuolo: “Er hat mich taktisch und mental verbessert wie kaum ein anderer. Anfangs hat er mich jeden Tag beleidigt – nicht böse, aber er fand immer etwas zu meckern.” Ein Detail, das er wohl nie vergessen wird, ist der Verlust des Conference League-Finales 2021 gegen die Roma durch eine schlechtere Tordifferenz. “Wenn wir uns damals qualifiziert hätten, wäre De Zerbi vielleicht geblieben.”

Die ungewöhnliche Wertschätzung, die er beim United FC erfahren hat, hat ihn positiv überrascht. “Die Spieler haben mich wie einen Superstar behandelt – das tut gut.” Doch letztendlich steht Ferrari vor einer Entscheidung: Bleibt er in Dubai oder kehrt er in die vertraute Welt des italienischen Fußballs zurück?