Auto-irrsinn schickt us-stars nach kopenhagen: world athletics bricht regel für verschenkte siegerinnen
Die Favoritinnen liefen gegen ein Auto – und World Athletics macht einfach die Starttore auf. Nach dem spektakulären Debakel beim US-Straßen-Meisterschaftslauf, bei dem der Führungswagen die drei Spitzenläuferinnen in eine Abkürzung lenkte und die Vierte siegte, dürfen die USA nun sieben statt vier Athletinnen nach Kopenhagen schicken. Die sportliche Gerechtigkeit in Reih und Glied, aber mit einem Haken: drei der Läuferinnen starten als blutleere Statisten – Punkte fürs Ranking, keine Medaille, kein Preisgeld.
Der unfall, der eine ganze qualifikation sprengte
Der Zwischenfall klingt wie ein schlechter Film: Auf der 10-km-Strecke in Orlando lenkte der offizielle Pace-Car die drei Führenden versehentlich in eine Nebenstraße. Die Athletinnen bogen ab, niemandem fiel es rechtzeitig auf. Sekunden später lief Kristin Schulz als Vierte durchs Ziel – und wurde zur Siegerin erklärt. Die echte Spitze kehrte irritiert zurück, doch die offizielle Rangliste war bereits geschrieben.
Die USATF lehnte zunächst jeden Einspruch ab, schließlich gelte das Klassifikationsprinzip: Wer durchs Ziel kommt, steht im Protokoll. Doch die Bilder gingen viral, die Empörung war grenzenlos. Erst nach vier Tagen und massiven Medienandruck räumte der Verband ein, dass „eine menschliche Katastrophe“ passiert sei. Zwei Podestplätze und das Preisgeld wurden nachträglich verteilt – doch der Weltverband musste für die WM-Teilnahme sorgen.

World athletics reagiert mit salamitaktik
Die Lösung: 4+3-Modell. Vier reguläre Punktejägerinnen, die das US-Team repräsentieren und um Medaillen kämpfen dürfen, plus drei zusätzliche Läuferinnen, die zwar das Nationaltrikot tragen, aber ein anderes Design erhalten – damit niemand auf der Zielgeraden verwechselt, wer eigentlich zählt. Ihre Platzierung fließt lediglich in die World-Athletics-Weltrangliste ein, nicht aber in die Teamwertung.
Die betroffenen Athletinnen stehen vor einem Dilemma: Starten und ein kostenloses WM-Training absolvieren – oder zuhause bleiben und auf eine faire Qualifikation im nächsten Jahr hoffen. „Wir werden die zusätzlichen Plätze nicht als Freifahrtschein missbrauchen“, verspricht USATF-Chef Amy Cragg. Doch intern höre man von Athleten, die befürchten, bei künftigen Trials nur noch als „B-Teams“ behandelt zu werden.

Präzedenzfall mit folgen
Scheinbar ist die Lösung ein Einzelfall: World Athletics betont, dass „die außergewöhnlichen Umstände“ nicht zur Regel werden. Aber der Verband hat die Latte gesenkt. Wer nachweisen kann, durch „externe Störungen“ beim nationalen Ausscheid benachteiligt worden zu sein, könne künftig ebenfalls einen Sonderstartplatz beantragen. Juristen wittern bereits das nächste Schlupfloch.
Für Kopenhagen heißt das: Das Starfeld der Straßen-Weltmeisterschaften am 6. Oktober wächst um drei US-Läuferinnen, deren einzige Hoffnung ein gutes Ranking ist. Die Medaillen aber bleiben ihnen versagt – ein Trostpflaster aus Trikotstoff. Sportlich gerecht? Wohl kaum. Aber PR-technisch brillant: Niemand spricht mehr über das verkorkste Rennen in Orlando, alle reden über das spektakuläre Comeback der Verdienten. Und die Uhr tickt bereits bis zum Stundenstart in Dänemark, wo die Geschichte ihr zweites Kapitel bekommt – diesmal ohne pace car, aber mit Pace-Girl-Gefühl.
