Aue plant schon für die regionalliga: zehn-millionen-etetat zerreißt den verein
Die Veilchen haben den Abstieg noch nicht akzeptiert, aber die Excel-Tabellen spucken schon die harte Wahrheit aus: Ohne Sieg seit Januar, neun Punkte Rückstand, acht Spiele Zeit. Erzgebirge Aue rechnet lautstark mit dem Gang in die Regionalliga Nordost – und stemmt sich gegen den Kollaps der eigenen Strukturen.
Ein förderkreis, ein präsident und eine rechnung über zehn millionen
Am Mittwochabend versammelte sich im erzgebirgsstadion, was an Einfluss noch übrig ist: Präsident Thomas Schlesinger, der neue Sport-GF Michael Tarnat, Coach Christoph Dabrowski und NLZ-Leiter Khvicha Shubitidze. Thema Nummer eins: Wie finanziert man 2026/27 eine Lizenzmannschaft, ein Nachwuchsleistungszentrum, 50 bis 60 Angestellte plus Stadionbrigade, wenn die TV-Einnahmen wegbrechen? Die Kurzantwort: mit mindestens fünf Millionen Euro, besser zehn. Die lange Antwort: vielleicht gar nicht.
Schlesinger nennt die Zahl zehn Millionen, weil damit nicht nur die Profis, sondern auch die 13 Abteilungen – von den Ringern bis zu den Schwimmern – überleben sollen. „Der Verein ist das Fundament“, sagt er. Doch die Drohkulisse ist klar: Fällt ein Großsponsor weg, bröckelt das Fundament. Und einige Verträge laufen genau zum 30. Juni. Kein Zufall, dass der Verein bis zum 1. April Klarheit über die sportliche Leitung verlangt – egal, ob Dritt- oder Viertliga-Kader.

Tarnat und dabrowski stehen auf glatteis
Die beiden halten seit Dezember die Stellung, nachdem Schlesinger Matthias Heidrich und Jörg Emmerich vor die Tür setzte und später Jens Härtel folgen ließ. Seither: sechs Pleiten, kein Torwuchs, keine Idee. Die Spieler trauern dem Ex-Coach hinter vorgehaltener Hand nach, die Fans rufen nach dem nächsten Kopf. Tarnat weiß: Er muss den Kader neu justieren, aber er darf erst kaufen, wenn weiß, wie viel Liquidität übrig bleibt. Dabrowski muss dagegen mit dem vorhandenen Material plötzlich Siege liefern, sonst fehlt das Letzte – die sportliche Glaubwürdigkeit.
Die Personalie Tom Baumgärtel zeigt das Dilemma. Der Topstürmer ließ offen, ob er im Falle des Abstiegs die Ausstiegsklausel zieht. Ohne ihn fehlt nicht nur ein Drittel der Tore, sondern auch ein Gesicht fürs Marketing. Und ohne Marketing kein Sponsor, der die Lücke stopft.

Landespokal als rettungsanker – aber erst mal lichtenstein
Ein Finaleinzug würde einen sechsstelligen Scheck bringen, vielleicht sogar 300.000 Euro – Geld, das in Aue über Nacht den Unterschied zwischen Kurzarbeit und Komplettkader bedeuten kann. Doch der Weg dorthin führt über Fortschritt Lichtenstein, einen Regionalliga-Klub, der sich auf Kunstrasen eingespielt hat und in den Pokalkampf fliegt wie auf Speed. Verliert Aue, platzt die letzte Luftblase vor dem Saisonfinale.
Die Zahlen sind gnadenlos: Seit 14 Jahren spielt Aue nicht unter der Dritten Liga, 2021 rutschte der Klub noch mit 3,5 Millionen Euro Rettungsgeld an Rostock vorbei. Die Insolvenz wurde abgewendet, die Schulden gestützt. Nun droht erneut der Amateurbereich, weil die Lizenzauflagen für die 3. Liga bereits in der Regionalliga mitgeschleppt werden. Wer dort nicht die Aufstiegsrunde schafft, muss die Nachwuchsförderquoten trotzdem erfüllen – ein Teufelskreis, der Aue bis in die Kreisliga drücken könnte, wenn das Geld fehlt.
Fazit: Am 1. April haben die Veilchen nicht nur den Klassenstatus auf dem Prüfstand, sondern auch den Fortbestand als geschlossene Gemeinschaft. Entweder sie finden einen Geldgeber, der die zehn Millionen unterschreibt, oder sie beginnen den Staffelstab Richtung Amateurfußball zu reichen. Die Uhr tickt – und sie tickt laut.
